Datum: 9. September. Schwangerschaftswoche: 6+6 Tage. Zustand: Babys Herzchen schlägt und ich ringe mit mir, meinen Frauenarzt zu bitten, in unser Gästezimmer einzuziehen. Nur zur Sicherheit und bloß für die nächsten acht Monate. Ich bin drauf und dran ein anderer Mensch zu werden. Einer, den ich bisher noch nicht kannte: eine Mutter. Nie weiß ich, wann mich der Hunger, die Angst, das Glück oder die Übelkeit überkommt. Denn genauso überwältigend wie die Furcht, das Kind zu verlieren, kann die Furcht sein, das Kind zu bekommen. Neulich kamen mir die Tränen, als ich im Internet auf die Umstandsunterhose "Schluppi" stieß, in Größe und Form einem Zwei-Mann-Zelt nicht unähnlich. Was erwartet mich für ein Glück?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2012
Ach wie toll, ein Buch über die Erfahrungen der Schwangerschaft! Felicitas von Lovenberg schaut neidisch auf so viel Humor und Übertreibungskunst bei einer werdenden Mutter - und fürs Schreiben ist auch noch Zeit! Das Authentizitätsversprechen der Tagebuchform weiß Ildiko von Kürthy laut Lovenberg immer wieder zu unterlaufen, indem sie einfach maßlos übertreibt - beim Babybauch wie beim Spielzeugkauf. Lovenberg nennt das Humor. Es ist der Humor pränatal betroffener beziehungsweise nicht mehr ganz junger, erstgebärender Frauen, wie Lovenberg präzisiert, selbst ironisch und gut gelaunt. Ihr ist das allemal lieber, als die Stilisierung der Schwangerschaft zum erleuchteten Ausnahmezustand und Grund genug, Kürthys bisher ignorierte Bestseller ins Feuilleton zu holen.
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