Man kennt Ilse Helbich als unsentimentale Chronistin des hohen Lebensalters. Sie hat aber auch, Mitte der 70er Jahre beginnend, immer wieder Gedichte geschrieben - aus denen sie nun erstmals eine Auswahl an die Öffentlichkeit bringt. Es sind "frühe Gedichte" (1975 bis Mitte der 80er Jahre) und solche, die in den letzten zwanzig Jahren entstanden sind und also ihr aktives Schriftstellerinnen-Leben begleitet haben.
Pointierter noch als in ihren Erzählungen und Aufzeichnungen bringen diese Gedichte Ilse Helbichs Welterfahrung auf den Punkt. Es ist die intensive Kraft ihrer Wahrnehmung - sowohl von Natur, als auch von Menschen und Begegnungen -, durch die die Gegenstände in ein unverwechselbares Licht gestellt werden, ein Licht, dessen Herkunft ganz ungewiss ist. "Das Andere, das jetzt ist, entzieht sich den Worten. Tief innen ist jetzt eine Melodie, die sich dem Nachsingen versagt."
Knapp, aber hymnisch bespricht Rezensentin Susanne Mayer diesen ersten und nach Auskunft der 94-jährigen Autorin auch letzten Gedichtband. Die Kritikerin begleitet Ilse Helbich, die sich erst im Alter von achtzig Jahren der Schriftstellerei widmete, durch das Kamptal bei Wien, "trotzig" am Leben festhaltend und doch im Bewusstsein des Abschieds, staunt mit der Dichterin im Rhythmus des Gehens über die Schönheit der Natur und bewundert, wie unsentimental sich Helbig an Kindheit, Jugend und alte Liebe erinnert. Einen Tonfall, so klar wie "Eis", vernimmt Mayer hier.
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