Ines Geipel

Heimspiel

Roman
Cover: Heimspiel
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783871345258
Gebunden, 203 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Dresden, Ende August 1989. Eine junge Frau steigt in den Zug und verlässt ihr Land. Was inmitten der großen Fluchtwelle so entschieden beginnt, wird für sie bald zur existentiellen Reise. Während der Fahrt tauchen Bilder einer einsamen Kindheit auf, in einer sprachlos gewordenen Familie: Der musische, aber haltlose Vater, der in seiner Agententätigkeit aufgeht und seine Obsessionen auslebt, die ohnmächtige Mutter, Tochter eines NS-Funktionärs, die sich in der Kälte einrichtet. Das alles hinter einer makellosen Lebensfassade: "eine Puppenstubenlandschaft, wie ein Leben lang auf Kur".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.08.2005

Gelangweilt ist Petra Kohse nach der Lektüre von Ines Geipels neuem Roman. Die Ich-Erzählerin rekapituliert die ersten dreißig Jahre ihres Lebens, und in denen passiert alles, was man sich unter einer traurigen Kindheit und Jugend in der ehemaligen DDR vorstellt. Die Autorin hat sich "nicht lumpen lassen", findet die Rezensentin: Missbraucht vom Vater, ohne Freunde, Internat, Sportschule, Stasi-Agenten und schließlich die Flucht in den Westen - die Protagonistin muss einiges durchmachen. Kohse bleibt ungerührt, zu selten finde die Autorin für das ganze Leid eine überzeugende Sprache. Geipel ändere ihren Stil so oft, dass die Rezensentin das Gefühl hat, "es mit einem abgezirkelten Schreibwerkstatt-Produkt zu tun zu haben". Und trotz schöner Lakonik und anklingender "spätsommerlicher Klammheit" muss sie resümieren, dass Geipel ins Allgemeine und Unehrliche vorbei zielt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2005

Rainer Moritz ist sehr beeindruckt. Erst einmal von der Vielseitigkeit der Autorin Ines Geipel, die eine Karriere als Sportlerin hinter sich hat, jetzt an der Hochschule für Schauspielkunst lehrt, eine Dokufiktion über das Massaker von Erfurt geschrieben hat und eben nicht nur Journalistin, sondern auch noch Literatin ist. Das alles wäre weniger beeindruckend, fände Moritz diesen Roman nicht so ausgezeichnet. Es geht um ein Mutter-Tochter-Verhältnis, um das Aufwachsen in der DDR, den gewalttätigen Vater - und das alles in einer "brillanten Prosa", ohne Klischees und mit dem "unaufdringlichen" Einsatz von "Leitmotiven". Und bei seinem Umfang von 200 Seiten gibt es hier, fügt Moritz hinzu, kein Wort zuviel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.06.2005

Ein anstrengendes Buch, schreibt Christoph Schmaus, fügt jedoch sogleich mit Nachdruck hinzu: Aber es lohnt sich! Denn wer sich einlässt auf die Herausforderungen von Geipels sehr sinnlicher und manchmal auch recht pathetischer Prosa, der kann Schmaus zufolge die Flucht einer jungen Frau aus der DDR über Ungarn in den Westen und ihre innere Suche nach Identität nicht nur nachvollziehen und beurteilen, sondern geradezu miterleben. Die eigentliche Handlung umfasst nur einige Tage des Jahres 1989, doch in der Erinnerung ihrer Protagonistin "vergegenwärtigt (Geipel) mehr als ein halbes Jahrhundert". Wobei "vergegenwärtigt" ganz wörtlich zu nehmen ist: Alles, so Schmaus, drängt bruchstückhaft und im Präsens durch die Erzählung der Gegenwart und ergibt eine Familiengeschichte von "Diktatur und Verdrängung" - nur eben nicht aus rückblickender Distanz, sondern unmittelbar aus der Bewusstseinsperspektive einer Frau an einem Wendepunkt ihres Lebens.
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