Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2002
Gar nicht zufrieden ist der Rezensent Andreas Anter mit dem, was Ingo Pies aus diesem Vergleich der Wirtschaftstheoretiker Eucken und von Hayek macht - und dass, obwohl er die dahinter liegenden Fragestellungen interessant findet. Während Eucken einer der Vordenker der "Sozialen Marktwirtschaft", dem westdeutschen Nachkriegsmodell war, waren van Hayeks Theorien Modell für wirtschaftsliberale Umstrukturierungen, wie sie zum Beispiel Margaret Thatcher in den 1980er Jahren in Großbritannien forciert hat. Obwohl über beide genug Literatur gibt, wurden sie zuvor noch nie direkt miteinander verglichen. Das ist nach Anters Meinung schon allein deshalb ein interessantes Unterfangen, weil es trotz der unterschiedlichen Konsequenzen doch erstaunlich Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Vordenkern gibt. An dem konkreten Vergleich von Pies hat der Rezensent jedoch einiges auszusetzen. Zum einen findet er, dass von Hayek hier viel zu kurz kommt - während Euken ausführlich behandelt wird - und auf den gerade mal 30 Seiten, die Hayek gewidmet sind, beschäftige sich Pies hauptsächlich mit dessen Sozialismuskritik, die aber für den hier versuchten Vergleich eigentlich nur nebensächlich sein sollte, meint der Rezensent. Zum anderen gibt es in dem Buch einige Redundanzen, die dadurch entstanden sind, dass Pies Eucken und Hayek nacheinander bespricht, statt sie einander direkt gegenüberzustellen. Schließlich wirft Anter dem Autor "Euphemismus" in seiner Analyse von wirtschaftspolitischen Interessenskonflikten und eine diffuse Unbewusstheit über die hinter diesen Interessen stehenden Werten. Das zusammengenommen führt dazu, dass der Rezensent alles andere als beeindruckt von Pies Studie ist.
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