Erstmalig haben sich 20 ehemalige Inoffizielle Mitarbeiter des Ministerium für Staatssicherheit einer psychoanalytischen Untersuchung gestellt. Dabei ging es vor allem um die Ergründung der Motivation für die Zusammenarbeit mit dem MfS und die psychische Verarbeitung nach der Wende. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die unbewußten Aspekte der geheimen Tätigkeit und die Beweggründe für die Zusammenarbeit. Damit verbunden ist die Frage, welche psychischen Voraussetzungen diese Inoffiziellen Mitarbeiter des MfS mitbrachten. Die Erzählungen der Interviewten sind durch ihre nachträgliche Verarbeitung der konspirativen Tätigkeit keine Darstellung der historischen Fakten. Sie sind vielmehr in der gegenwärtigen Lebenssituation konstruierte Geschichten, die u.a. auch dazu dienen, sich zu rechtfertigen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.09.2004
Tilmann Moser hat mit großem Interesse dieses Buch gelesen, in denen die Psychoanalytiker Ingrid Kerz-Rühling und Thomas Plänkers die Psyche ehemaliger Inoffizieller Mitarbeiter des MfS untersuchen. Die beiden Autoren machen in ihrer Studie, die auch zwanzig Interviews und zwei ausführliche Lebensläufe von IMs enthält, deutlich, dass ein Großteil von ihnen durch eine "traumatische Kindheit" gezeichnet war und "seelische Defizite" aufwies, erklärt der Rezensent. Er findet es auch bemerkenswert, dass sich die meisten der Interviewten weniger als Täter denn als Opfer fühlen und statt Schuldgefühlen vielmehr "Scham" empfinden, derart "ideologisch verblendet" gewesen zu sein. Moser attestiert den Autoren "handwerkliche Kompetenz" bei der Analyse der Interviews und lobt, dass Kerz-Rühling und Plänkers "sorgfältig und plausibel gearbeitet" haben. Besonders überzeugend findet der Rezensent, dass die Autoren zum Schutz vor "Täuschungen oder eigenen Verstrickungen" einen "psychoanalytischen Beirat" zu Rate gezogen haben, der die nötige "Neutralität" der Untersuchung garantieren soll.
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