Der postindustrielle Strukturwandel ist vielfach gescheitert - Wie kann es nun im Ruhrgebiet weitergehen?
Das Verlöschen der fossilen Großtechnologien mit ihrer raumgreifenden Verbundwirtschaft hinterlässt im Ruhrgebiet ungelöste Fragen: Was soll den gescheiterten Versuchen der Re-industrialisierung folgen? Was ersetzt die verlorenen Arbeitsplätze und Ausbildungssysteme? Wie qualifiziert man junge Menschen, die geringe Aussicht auf Arbeit und Existenzsicherung haben?
Der viel beschworene Strukturwandel hat zu weiten Teilen keine tragfähigen neuen Strukturen geschaffen, um diese Fragen zu klären. Dabei wirkt der lange Arm der Großindustrie noch immer nach: Ersatzarbeitsplätze hat sie lange verhindert, dem Abschied von den fossilen Energien ist sie hinterhergelaufen und ihr Einfluss auf die Politik ist heute größer als ihr faktischer Beitrag zur Erneuerung der Region. Die Politik hingegen hat sich dem immer wieder untergeordnet.
Ingrid Krau hat diese Strukturen als Stadtplanerin von innen miterlebt. Sie trifft auf Menschen, die in erstaunlicher Bescheidung leben, mit billigem Konsum und jeder Menge Events bei Laune gehalten. Ihr Fazit: Nur eine breite und grundlegende Bildungs- und Ausbildungsinitiative kann das beenden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2018
Laut Andreas Rossmann findet die in Gelsenkirchen geborene Ingrid Krau keine Balance zwischen einem persönlichen und einem wissenschaftlichen Zugang zum Ruhrgebiet und seinem Ende. Der Essay erscheint Rossmann streckenweise als "Versuch nachgetragener Heimatverbundenheit". Hier findet er den Text stark durch eigene Erfahrungen und Anschauungen. Eine stringente Darstellung der vielen Abschweifungen, Anmerkungen und "beliebig wirkenden" Beispiele sowie eine differenzierte Diagnose sucht Rossmann im Band allerdings vergebens. Ferner nerven ihn die mannigfachen Sachfehler im Band und die Lückenhaftigkeit der Bibliografie.
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