Wolfgang Münchau

Kaputt

Das Ende des deutschen Wirtschaftswunders
Cover: Kaputt
Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2025
ISBN 9783451036255
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Britta Fietzke. Die deutsche Wirtschaft galt über Jahrzehnte als weltweiter Maßstab: hochkarätige Ingenieurskunst, führende Maschinenbau- und Automobilkonzerne und ein florierendes Exportmodell. Doch es findet ein fundamentaler Wandel statt, den weder Unternehmer noch Politiker antizipiert haben - mit dem Ergebnis, dass Deutschlands Wirtschaft mit Innovationsführern weltweit längst nicht mehr Schritt halten kann. In seinem Buch argumentiert Wolfgang Münchau, dass sich die Schwäche der deutschen Wirtschaft in Wirklichkeit schon seit Jahrzehnten zusammengebraut hat. Eine einseitige Ausrichtung der Wirtschaftspolitik auf konventionelle Großindustrien - vorangetrieben durch enge Verbindungen zwischen der industriellen und politischen Elite des Landes - hat das Land technologisch zurückgeworfen und in eine riskante Abhängigkeit von autoritären Staaten wie Russland und China geführt. Gibt es Anzeichen dafür, dass Deutschland in der Lage sein wird, sich an die digitalen Realitäten des 21. Jahrhunderts anzupassen?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.09.2025

Rezensent Constantin Kühn lernt viel aus Wolfgang Münchaus Analyse der ökonomischen Lage Deutschlands, obwohl sich auch einiges darin bemängeln ließe. Schwächen, Fehleinschätzungen und blinde Flecken entdeckt Kühn insbesondere dort, wo sich der Mitgründer der Financial Times Deutschland zum politischen Geschehen äußert - etwa, wenn er Linke und AfD als extremistisch über einen Kamm schert oder das deutsche "neomerkantilistische" Wirtschaftssystem mit dem chinesischen System gleichsetzt. Als bereichernd empfindet der Rezensent hingegen Münchaus aufschlussreiche Anekdoten. Vor allem aber muss Kühn diesem Autor dafür danken, dass er massive Versäumnisse bei der Modernisierung der Wirtschaft aufzeige und rabiat mit so einigen deutschen Wirtschaftsmythen aufräume. So eignet sich Münchaus teils treffende, teils fragwürdige Analyse zumindest als gute Diskussionsgrundlage, so der abwägende Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2025

Ein pessimistisches Bild der aktuellen Lage der deutschen Wirtschaft zeichnet Wolfgang Münchau in diesem Buch, teilt uns Rezensent Robert Fieten mit. Vier Gründe sind dafür verantwortlich, dass wir es momentan nicht bloß mit einer Konjunkturschwäche zu tun haben, sondern mit tiefer liegenden Problemen: die deutsche Wirtschaft ist zu stark merkantilistisch, also auf die Erwirtschaftung von Exportüberschüssen, ausgelegt, sie hat mit China einen neuen Rivalen bekommen, sie ist aufgrund korporatistischer Tendenzen nicht reformfreudig genug und hat nicht schnell genug bei der Digitalisierung mitgemacht. Wer jetzt nur darauf setzt, Kosten zu senken, wird nicht weit kommen, ist Münchau überzeugt. Was aber hilft stattdessen? Das verrät Münchau uns nicht, erläutert ein enttäuschter Fieten, der hofft, dass der Autor in dieser Hinsicht bald noch einmal Substantielleres schreibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2025

Weitgehend wertfrei bespricht Rezensent Florian Keisinger Wolfgang Münchaus Analyse des Niedergangs der deutschen Wirtschaft. Münchau geht laut Keisinger davon aus, dass es sich bei den aktuellen ökonomischen Problemen Deutschlands nicht um eine Konjunkturkrise handelt, sondern um die Folge struktureller Probleme. Insbesondere habe Deutschland den Anschluss bei Schlüsseltechnologien für die Zukunft verloren, statt auf Elektromobilität setze man etwa weiter auf fossile Energien. Falsch laufe einiges schon mindestens seit den 1990ern, liest der Rezensent: So habe sich Deutschland sich von den Erfolgen im Zeitalter der Hyperglobalisierung blenden lassen und wurde dabei mehr und mehr abhängig von russischem Öl sowie von amerikanischen Sicherheitsgarantien. Schuld daran trägt laut Münchau der speziell deutsche Korporatismus, der Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften an einen Tisch bringt und einen reibungslosen Ablauf der Wirtschaftspolitik erreichen soll, aber leider faktisch Innovationen verhindert. Auch mit der bisherigen Politik der Merz-Regierung ist Münchau nicht so recht zufrieden, resümiert Keisinger. Im Großen und Ganzen scheint der Kritiker das alles zwar ähnlich zu sehen, er vermisst in dem Buch allerdings Hinweise darauf, wie es besser laufen könnte.

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