1924: Der bekannte Musikexperte Christoph Wagenrad hat sich in die junge Gisela Liebwies verliebt, die seiner verstorbenen Frau, einer berühmten Pianistin, ähnlich sieht. Obwohl unbegabt, soll sie nun ebenfalls zum Star aufgebaut werden. Durch Erpressungen seitens Wagenrads schafft sie es ans Konservatorium und erhält sogar die Hauptrolle bei der Abschlussdarbietung. Dass die dafür komponierte Oper, bei der die Hauptdarstellerin fast ohne Stimme auskommt, nicht von August Gussendorff stammt, der sich dafür feiern lässt, sondern von seiner Frau Ida, muss ja auch niemand erfahren. Eine herrlich bösartige Geschichte über falschen Glanz, die Gier nach Ruhm - und wahre Schönheit, die mit alldem nichts zu tun hat.
Carsten Otte hält viel von diesem Debüt Irene Diwiaks. Die zwischen den Weltkriegen in der österreichischen Provinz angesiedelte Geschichte um einen verliebten Lehrer, ein von ihm gefördertes Sangestalent und dessen schöne, aber talentlose Schwester, die am Ende obsiegt, scheint ihm bitterböse, klug, amüsant und unterhaltsam. Vor allem aber gefallen ihm der zupackende selbstbewusste Ton, der wendungsreiche Handlungsgang und die dem Ganzen eingeschriebene "zeitlose" Kritik an der Kulturindustrie. Ein stimmiges Debüt, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2017
Böses Buch, meint Rezensentin Andrea Diener. Irene Diwiaks Roman besticht für sie durch die Lust am Erfinden von Lebensläufen. Das schließt bei Diwiak allerdings mit ein, eine Figur ebenso erfinderisch forsch auch wieder aus der Geschichte verabschieden zu dürfen, die sich laut Diener um Täuschung und Selbsttäuschung dreht, im Künstlermilieu vor allem. Dass so ein Text nicht happy enden kann, ahnt Diener schon. An den karikaturesken Überzeichnungen der Figuren und dem Erfindungsreichtum der Autorin aber hat Diener jede Menge Freude.
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