Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe. In einem Hotel am Ende der Welt geben zwei Frauen, eine Französin und eine Afghanin, ihre Stärke und ihre Zerbrechlichkeit preis. Ein verpasster Anschlussflug am Flughafen von Bahrain bringt die Reise der Ich-Erzählerin nach Indien, das Land, in dem ihr Vater aufgewachsen ist, durcheinander. Sie ist gezwungen, in einem Hotel zu übernachten, wo sie die Afghanin Mina kennenlernt, die nach Kabul reist, um noch einmal ihren Vater zu sehen.Die Erzählerin wird von Minas Berichten über Indien, Afghanistan, den Krieg und die Flucht über gefährliche Bergstraßen bis hin nach Berlin, wo sie sich durchsetzen muss, in den Bann gezogen. Unerwartete Resonanzen, wie Lichter in der Nacht, bringen die beiden Frauen einander näher.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 31.12.2025
Rezensentin Stephanie von Oppen freut sich, dass dieser Roman Cécile Oumhanis nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Die Autorin erzählt von der Begegnung einer Frau, die auf dem Weg nach Indien zur Beerdigung ihres Vaters ist, begleitet von einer Afghanin namens Mina. Die beiden treffen sich in einer Hotelbar und Mina erzählt über das Leben ihrer Familie, das sie unter anderem ins Exil nach Deutschland geführt hat, wo sie beispielsweise die 68-er-Bewegung miterlebte oder das Leben in einem geteilten Land kennenlernte. Eine reichhaltige Geschichte ist das, freut sich Oppen, die in der poetisch-bildreichen Sprache Oumhanis indische und tunesische Einflüsse ausmacht und auch dank Regina Keil-Sagawes ausgezeichneter Übersetzung gar die Gewürze und Blumen zu riechen meint. Toll auch, so die Kritikerin, wie selbstverständlich hier gelebtes Weltbürgertum in Szene gesetzt wird - das richtige Gegengift gegen die um sich greifende Rede von Remigration.
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