Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Von früh auf erlebt die kleine Isabel, wie die Mutter, vom Ehemann sitzengelassen, sich tagein, tagaus um ihre Kinder kümmert, "ohne Mittel oder Stimme". Aus Isabel wird ein wildes, aufsässiges Mädchen, fest entschlossen, für ein Leben zu kämpfen, das ihre Mutter nicht haben konnte. In den späten Sechzigern ist Isabel in der Frauenbewegung aktiv. Umgeben von gleichgesinnten Journalistinnen schreibt sie "mit einem Messer zwischen den Zähnen" und fühlt sich erstmals wohl in ihrer Haut. In drei Ehen erlebt sie, wie sie als Frau in Beziehungen wachsen kann, wie man scheitert und wieder auf die Beine kommt und dass man sich der eigenen sexuellen Wünsche selbst annehmen muss. Was wollen Frauen heute? Liebe und Respekt und vor allem auch Kontrolle über Leben und Körper und Unabhängigkeit. In diesem Memoir hält Isabel Allende Rückschau auf ihr Leben und schreibt über ihr wichtigstes Thema - den Feminismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2021
Rezensentin Julia Bähr schätzt das Buch von Isabel Allende einerseits als Lebenserinnerung der chilenischen Schriftstellerin, andererseits als feministisches Manifest und Aufruf an die jüngere Generation, den Kampf für Geschlechtergleichheit weiterzuführen. Der Kampfgeist der Autorin ist für Bähr in den Rückschauen auf die Kindheit in Chile ebenso spürbar wie in den Forderungen zur Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Dass Allende vieles nur anreißt und Politisches mit Persönlichem mischt, macht die Lektüre für Bähr allerdings mitunter verwirrend.
Rezensent Tobias Wenzel empfiehlt Isabel Allendes Buch als autobiografisches Erinnerungsdokument einer erklärten Feministin. Wenzel erfährt unter anderem über die Anfänge von Allendes Einsatz für die Frauenrechte in Chile, über Erlebnisse der Autorin auf Reisen und über statistisches Material zur Gewalt gegen Frauen. Der stellenweise amüsante Plauderton gefällt ihm. Weniger glücklich scheint er mit den Klischees und dem Kitsch im Text. Beides schwächt das "leidenschaftliche Plädoyer" für Gleichberechtigung wohl eher, befürchtet Wenzel.
Etwas genervt ist Rezensentin Marlen Hobrack von diesem Essay aus der "zweiten Welle des Feminismus", aber dann auch immer wieder sehr milde gestimmt. Es gehe hier nicht um Dekonstruktion und Gender, stellt die Kritikerin fest, sondern um die gute alte "Geschlechtergerechtigkeit" und um Frauen als bessere Menschen. Das sei oft sehr "altmodisch" und sogar kitschig, wehrt die Kritikerin ab. Aber weil Allende sich offen zu ihrem Frausein als Verführende und sexuell Begehrende über die Menopause hinaus bekennt und in den meisten Fällen ironische Brechung und Anerkenntnis von den Widersprüchen des Lebens auf Lager hat - auch gegenüber ihren eigenen Faustregeln weiblichen Lebens -, verzeiht sie ihr immer wieder gerne. Trotz und wegen der hier vorliegenden "Verpilcherisierung" des Feminismus erkennt die Kritikerin an, dass die meisten Frauen den Auffassungen der Erfolgsautorin Allende wohl gerne folgen werden.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…