In der Debatte um die Reform des Sozialstaats in Deutschland wird oft der Grundkonflikt zwischen Arbeit und Kapital beschworen: Während die Arbeitnehmer für einen möglichst weit reichenden Ausbau des Sozialstaats einträten, dränge die Unternehmerseite auf Abbau und Kostensenkungen. Diese Sicht ist jedoch irreführend, wie Isabela Mares darlegt: Die sozialstaatliche Risikovorsorge musste der Wirtschaft nicht abgerungen werden, vielmehr haben die Unternehmer am Aufbau von Sicherungssystemen mitgewirkt. Die Autorin zeigt dies anhand von Beispielen aus der Geschichte der Sozialversicherung in Deutschland und Frankreich: von der Einführung von Arbeitsschutzgesetzen im Kaiserreich und der französischen Arbeitslosenversicherung von 1905 bis zu den Debatten in der Bundesrepublik der 80er Jahre um das Vorruhestandsgesetz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2005
Dass die bislang vorherrschende Ansicht, die Arbeitgeberwirtschaft habe den Sozialstaat stets eher zähneknirschend hingenommen, falsch ist - das ist nach Klaus Peter Krause die Pointe von Isabela Mares "historischem Ländervergleich" "Warum die Wirtschaft den Sozialstaat braucht." Mares argumentiert, dass die Unternehmen ein ebensolches Interesse an Sozialversicherungen hätten wie die Gewerkschaften - aus Eigeninteresse. Daher bildeten sich "klassenübergreifende Allianzen" zwischen den eigentlich feindlichen Lagern heraus. Die Stanforder Politologin versucht, diese Meinung anhand der historischen Entwicklungen in Deutschland und Frankreich zu belegen. Der Rezensent hält sich spürbar auf Distanz zu den Thesen der Autorin. Allianzen sieht er eher zwischen Mares und den Herausgebern der Reihe, in der ihr Werk erscheint, der Hans-und-Traute-Matthöfer-Stiftung. Die Arbeitgebern dürften gerne hören, mutmaßt Krause, dass sie weniger Klassenkämpfer sind denn "Wohlfahrts-Kapitalisten".
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