Mit einem Vowort von Frank Wierke. Seit 50 Jahren begleitet Isolde Ohlbaum den Dichter Peter Handke (geboren 1942) und dokumentiert in ihrem photographischen Bilderbogen seinen Werdegang vom enfant terrible des Literaturbetriebs der jungen Bundesrepublik zum international gefeierten und zugleich politisch umstrittenen Nobelpreisträger. Ohlbaum besuchte Anfang der 1970er Jahre die Bayerische Staatslehranstalt für Photographie und war zunächst journalistisch tätig. Schon bald machte sie sich als Spezialistin für Portraits selbstständig und avancierte zur "Schriftstellergesichterforscherin" (Michael Krüger). Im Sommer 2024 vereinbarte die Photographin mit Peter Handke, ihn in seinem Wohnhaus in Chaville nahe Paris zu besuchen. Seit 1990 ist das Haus inmitten eines verwunschenen Gartens Ausgangspunkt seiner legendär und zu Literatur gewordenen Spaziergänge und Wanderungen und zugleich Hort kreativen Schaffens an zahllosen "Schreibtischen": zwischen Vogelfedern, Schneckenhäusern, Bücherbergen und eigenhändig bestickten Fauteuils. Die ausführlicheren Kapitel unseres Buchs widmen sich allerdings den jahrzehntelangen Beobachtungen, die Isolde Ohlbaum angestellt hat, um Peter Handke als Mensch und als Künstler zu dokumentieren. Entscheidend waren dabei Begegnungen mit Künstlerfreunden wie etwa Wim Wenders, den er anlässlich des damaligen Skandalstücks Publikumsbeschimpfung in Oberhausen 1966 erstmals traf und mit dem er seither immer wieder zusammenarbeitete, beispielsweise beim Film "Der Himmel über Berlin".
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.02.2026
Eine "visuelle Literaturgeschichte" liegt Rezensent Helmut Böttiger mit dem Fotoband Isolde Ohlbaums vor. Interessiert vertieft sich Böttiger in die Veränderungen von Peter Handkes Erscheinung, die die Fotografin fast fünfzig Jahre lang in 150 Fotografien festhielt. Auf den Fotos des jungen Handke aus den Siebziger Jahren meint der Kritiker hinter einer sanften, eher "mädchenhaften" Erscheinung, durchaus auch etwas Abgründiges, "latent Agressives" zu erkennen. Auf den späteren Fotos etwa der Neunziger Jahre wird laut Böttiger außerdem die spezifische Atmosphäre rund um die Verleihung des Petrarca-Preises und die Reisen deutlich, die Handke immer wieder nach Frankreich und Italien brachten. Handke selbst sieht dabei mit der Zeit "immer besser aus", meint der Kritiker, wie ein "knorriger Baum", auf spezielle Weise würdig und interessant. Auch, dass Handke einen Hang zur Theatralik und Selbstdarstellung hat, kann Böttiger aus diesen Fotos herauslesen, die er offensichtlich mit Faszination betrachtet hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.12.2025
Rezensentin Judith von Sternburg hält Isolde Ohlbaums Fotobuch über Peter Handke eher für ein Buch über die Fotografie denn über die Literatur, eher über Ohlbaum denn über Handke. Schön, dass man Handke barfuß betrachten kann, beim Baden und Kicken, findet sie. Noch schöner aber, meint sie, dass der chronologisch geordnete, kaum mit Text beschwerte Band das "Halbprivate" der Fotoporträtkunst offenbart und dass solche Bilder Nähe benötigen. Eine Nähe, die das Selfie nicht braucht, stellt die Rezensentin etwas melancholisch gestimmt fest.
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