Dieses Buch könnte helfen, die ins Rutschen geratenen Bretter, die noch immer die Welt bedeuten, wieder zu befestigen. Ivan Nagel war Theaterkritiker, Dramaturg, Intendant und Professor für Ästhetik und Geschichte der Darstellenden Künste und hat nun seine Analysen und Ansichten zu Drama und Theater gesammelt. An Stückanalysen wie Shakespeares "Troilus und Cressida", an großen Klassiker-Inszenierungen wie Kortners "Emilia Galotti", an Porträts von Autoren, Theatermachern und Schauspielern arbeitet er exemplarisch die ästhetischen Beziehungen zwischen Drama und Theater, Text und Aufführung heraus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2007
Dem "wissenschaftsparfümierten" Titel widerspricht der Inhalt des Buches phänomenal. Was ein Glück, findet Gerhard Stadelmaier, der "Theater als Geschichte" selten so temperamentvoll serviert bekommen hat. Dass gerade Ivan Nagels Aufsätze aus dem Archiv, wie der Nachruf auf Heiner Müller oder über Kortner-Inszenierungen, so lebendig und leidenschaftlich wie eine turbulente Bühnenszene klingen würden, hätte Stadelmaier nicht gedacht. Für den Rezensenten ein klarer Fall von kluger Textauswahl, vereint mit Sprach- und Argumentationsverstand und der Lust eines "professoral pubertären Schwärmers".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2006
Der Rezensent Andreas Tobler hat offensichtlich großes Vertrauen in den Theaterautor Ivan Nagel, der seiner Meinung nach so gar nicht "spröde" und "akademisch" ist, wie er hier stellenweise wirkt. Das Einführungskapitel etwa besitzt für Tobler den Charme einer "Betriebsanleitung für Staubsauger". Von diesem "Theoriegewusel" sollte sich der potentielle Leser nach Meinung des Rezensenten trotzdem nicht schrecken lassen, denn danach folgt eine Sammlung der besten Essays von Ivan Nagel, die einen gelungenen Überblick über das Theaterschaffen in den letzten Jahrzehnten bietet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006
Den Sammelband mit Ivan Nagels Texten zum Theater aus fünf Jahrzehnten preist Christopher Schmidt für seine Klugheit und seine passionierte Parteinahme. Nagel analysiert erhellend Dramen und Inszenierungen, wobei es sich bei ihm stets um die eine Frage dreht, ob ein Drama als "Vorschlag" für eine Aufführung aufzufassen sei oder eine Inszenierung sich als Auslegung des Dramentextes zu verstehen habe, erklärt der Rezensent. Schmidt ist von der Frische, die die Texte für ihn immer noch ausstrahlen, beeindruckt und hebt die "geistige Unabhängigkeit" des Autors und Regisseurs hervor, der in den Beiträgen auch sein "Wunschtheater" entwerfe. Und wenn ihn auch gelegentlich die wohl auf Adorno zurückgehenden Wortdrechseleien Nagels ein bisschen nerven, so bescheinigt er dem Autor dennoch, das geistvollste Theaterbuch des Herbstes vorgelegt zu haben.
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