Aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg. "Nachts auf dem Meer", auf einem Dampfer in Richtung Krim, begegnet ein Passagier zufällig dem Mann, der ihm vor Jahren seine geliebte Ehefrau abspenstig gemacht hat - und die Erinnerungen kommen wieder hoch.In den 28 Erzählungen, von denen fünfzehn erstmals ins Deutsche übersetzt sind, spiegeln sich die politischen Umwälzungen von Revolution und Bürgerkrieg ("Der rote General") und vor allem Bunins Zerrissenheit in den ersten Jahren der Emigration. Frankreich bietet ihm Sicherheit, aber er erkennt seinen Verlust, der sich in bitteren Reflexionen ebenso zeigt wie in emotionalen erzählerischen Reminiszenzen an das verlorene Russland: "Längst Vergangenes" (so der Titel einer Erzählung) gibt den bittersüßen Kammerton dieses Bandes vor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2022
Seit Jahren macht sich der Dörlemann Verlag um die Wiederentdeckung Iwan Bunins verdient. Und einmal mehr legt er hier ein "Buch zur Stunde" vor, versichert Cord Aschenbrenner in einer kurzen aber begeisterten Kritik über Bunins Miniaturen aus dem Jahren 1920 bis 1924. Schon einmal, genau vor hundert Jahren, schildert Bunin, den Schmerz der Abreise ins Exil, die Ortlosigkeit der Exilierten, die Verzweiflung, die darin besteht nur mehr in der Vergangenheit zu leben. Und die Kriegsszenen aus Odessa klingen, als seien sie heute geschrieben. Unbedingt lesen, und zwar jetzt! Zumal Aschenbrenner auch die Übersetzung Dorothea Trottenbergs uneingeschränkt empfehlen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2022
Rezensent Jan Brachmann macht die Probe aufs Exempel und vergleicht das Original von Iwan Bunin mit der Übersetzung von Dorothea Trottenberg. Trottenbergs "Telegrammstil" scheint ihm neu und zeitgemäß, Wortwiederholungen in der deutschen Fassung aber findet er für einen Stilisten wie Bunin unpassend. Die im Band versammelten Erzählungen der Jahre 1920-1924 bestechen laut Brachmann durch Tempo und Kürze, auch wenn der Autor hier und da zur Verklärung neigt, etwa des Dorflebens ("Der Schnitter"), wie Brachmann erläutert. Bunins "Prosa der Eile" scheint dem Rezensenten ansonsten zu schmecken.
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