Aus dem Französischen von Gabriela Zehnder. In einer Schlucht im Jura wird die Leiche eines streitbaren Anwalts gefunden. "Reitunfall", ergibt die Untersuchung der Waadtländer Polizei, doch verstummen die Gerüchte nicht, es könnte ein Mord gewesen sein. Der Druck wächst, eine zweite Untersuchung vorzunehmen. Da trifft es sich gut, das Jean-Claude Abt mit der Fichenaffäre überflüssig geworden ist. Er wird zu diesem hoffnungslosen Fall abdelegiert. Er beginnt im Reitzentrum Stunden zu nehmen, und dann verliebt er sich. Gegen alle Doktrin und Gewohnheit beginnt er sich zu verwickeln, sein Schicksal mit dem anderer Menschen zu verbinden. Der Spitzel wird zum Mitmensch. Und mit seiner Anteilnahme dringt er immer weiter in die Verstrickungen ein, in deren Tiefe schließlich auch die Lösung des Falls ruht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2002
Vor der "Ironie" und der "satirischen Schreibweise" des 1961 in Morges geborenen Schriftstellers Jacques-Etienne Bovard sei niemand sicher, warnt Hubertus von Gemmingen, der sich hell erfreut zeigt, dass der bereits 1994 im Original erschienene und mit mehreren Preisen ausgezeichnete Roman "Der Nebelreiter" endlich auch im Deutschen vorliegt. Leider allerdings, in einer weniger geglückten Übersetzung, findet der Rezensent, denn von der "schillernden Mehrdeutigkeit" sei im Deutschen kaum mehr etwas übrig geblieben, stattdessen fühlt sich der Rezensent hier an "verhängnisvolle Schicksale hochgemuter Balladenhelden" oder an "schwermütige Balladen" aus dem hohen Norden erinnert. Dabei sei der Plot so schön, meint Gemmingen. Hier gehe es um die Entwicklungsgeschichte eines Schnüfflers und Spitzels, der ein anderer Mensch werde, weil er eine affektive Beziehung zu einer Frau und zu einem Pferd unterhalte, schmunzelt der Rezensent. Das Buch sei, verspricht Gemmingen, "unterhaltsam" und "ironisch", gehe es nun um den Alltag von Polizisten, das Reiten oder um "unheilige Allianzen zwischen Geldsäcken und Neonazis".
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