Dem erfolglosen Bäcker Adolf Haas bot die SS alles, was er wollte: Karriere, Macht, Wohlstand und Affären. Dafür war er zu allem bereit, auch zum Massenmord. Trotz geringer Bildung stieg Adolf Haas seit 1932 rasch in Himmlers erträumter "Elitetruppe" auf. Gewaltbereitschaft und Gehorsam ebneten ihm den Weg von der ländlichen SS im Westerwald bis zu den Terrorstätten des Nazi-Regimes. Als KZ-Kommandant von Niederhagen/Wewelsburg (1940-1943) und Bergen-Belsen (1943-1944) scherte er sich kaum um Hygiene oder die Versorgung der Häftlinge, umso mehr um seine eigenen Vorteile. Während er Tausende sterben ließ, verschonte er einige wenige, solange sie für ihn malten, Kunsthandwerk fertigten oder musizierten - ein Zeuge Jehovasund ein Jude wurden zu seinen Lieblingskünstlern. Was war Haas für ein Mensch? Ein ganz normaler Nazi? Die erste umfangreiche Biografie über Adolf Haas blickt hinter die Fassade des Massenmörders, der kurz vor Kriegsende spurlos verschwand und den bundesdeutsche Behörden jahrzehntelang nicht finden konnten - oder wollten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.01.2020
Ludger Heid hat kein Vergnügen an dieser Lektüre. Erinnerungspolitische Notwendigkeit ist sein Antrieb wie auch der des Autors Jakob Saß, der die Biografie des Lager-Kommandanten Adolf Haas laut Heid als Kombination aus Täterpraxis, Opferwelt und gesellschaftlichen Einblicken schreibt. Als Beispiel für die Banalität des Bösen taugt Haas wegen seiner Mediokrität gut, findet Heid. Die machtgesteuerte Jovialität des SS-Mannes, seine Bequemlichkeit und Unberechenbarkeit kann der Autor anhand von Zeitzeugenberichten gut herausarbeiten, findet Heid.
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