Der Mensch ist das Tier, das mit dem Wissen um seine Endlichkeit leben muss, und die Kultur ist die Welt, die sich der Mensch errichtet, um mit diesem Wissen leben zu können. Diese These erläutert Jan Assmann am Beispiel der altägyptischen Kultur, indem er zeigt, in welchem Umfang die Todesbilder die gesamte Lebenswelt und Daseinsauslegung der Ägypter bestimmt haben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2001
Erik Hornung über Jan Assmann! Dies kann keine übliche Rezension sein, sondern eine Hommage, die der eine Fachmann dem anderen erweist. Bekanntlich sei bei den Ägyptern der Tod "Ursprung und Mitte der Kultur", somit sei auch die ägyptische Kunst aus der Todeserfahrung bzw. dem Versuch der Todesbewältigung entstanden, schreibt Hornung. Assmann betone in seinem Vorwort, eine Geschichte der ägyptischen Totenreligion könne nicht geschrieben werden, er habe sich dazu entschlossen, verschiedene Bilder des ägyptischen Todes wie in einer Ausstellung zu präsentieren, wobei ihn weniger die materiellen als die sprachlichen Zeugnisse interessierten. Mittels der Totentexte blieben Lebende und Tote immerhin miteinander im Gespräch. Assmann scheint in seinem 624-Seiten-Werk sparsam und zurückhaltend zu interpretieren, denn Hornung vermisst "das ägyptische Jenseits in seiner ganzen Farbigkeit, Konkretheit und in seiner Gedankentiefe". Dennoch "ein bedeutendes Werk ..., das Fachleuten wie normalen Sterblichen einiges zumutet, sie aber auch mit immer neuen überraschenden Ausblicken belohnt", so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001
Ludwig Ammann lobt zwar die "dichte Beschreibung" und die Fülle des Materials, das der Ägyptologe Jan Assmann in 30 Jahren eigener Forschung zusammen getragen hat, er kritisiert aber dessen Kulturbegriff. Assmann wolle beweisen, dass der Tod das "Sinnzentrum" jeder Kultur sei, nicht nur der ägyptischen. Dabei gebe Assmann den anthropologischen Kulturgebriff preis, indem er Kultur auf "echte Kultur" reduzieren wolle. Wie der Rezensent findet, ist die Stärke des Buches aber gerade die Beschreibung eines einzelnen Falls, nämlich Ägyptens. Assmann präsentiert dazu ein "Text-Museum" mit einer "Ausstellung von Todesbildern", so Ammann. So sei der Himmel zunächst nur den Gottkönigen vorbehalten gewesen, die durch Gedenken wie den bis heute unübersehbaren Pyramidenbau unsterblich geworden wären. Die einfachen Leute hätten nur durch die Abwendung einer Todesschuld Eingang in den Kreislauf der Wiedergeburt gefunden. Um dieses Denken zu veranschaulichen, hat der Autor seinem Buch zahlreiche Übersetzungen der ägyptischen Totenliteratur beigefügt, erläutert der Rezensent.
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