Annette Simon und Jan Faktor versuchen die politischen und gesellschaftlichen Konflikte ihrer ostdeutschen bzw. osteuropäischen Vergangenheit zu reflektieren und zu analysieren. Ausgehend von den unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Prager Frühling 1968 setzen sie sich mit den Verhältnissen in der DDR auseinander. Auch heute, nach der Vereinigung Deutschlands, versuchen sie, sich politisch und intellektuell klar zu positionieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.09.2000
Astrid von Friesen hält sich mit einem Urteil über dieses Buch sehr zurück und informiert den Leser vielmehr darüber, worum es in dem Band geht. Thema ist das Fremdheitsgefühl, das sich nach Simon im Westen besonders bei der 68er-Generation hinsichtlich der Verdrängung der faschistischen Geschichte ihrer Eltern festmacht. In der DDR hingegen sei die Entfremdung mit dem Mauerfall für kurze Zeit verschwunden, aber schnell in anderer Form zurückgekehrt: Die neue Ordnung wurde als "übergestülpt" erlebt. Interessant scheint die Rezensentin die Überlegungen des tschechischen Schriftstellers Jan Faktor zu finden, der die Sichtweise tschechischer Intellektueller auf die "verbohrten, naiven, staatstreu gläubigen" (so die damals verbreitete Sichtweise) der DDR-Bürger erklärt. Faktor beleuchte dabei auch das merkwürdige Verhältnis der DDR-Intellektuellen zur westlichen APO und den K-Gruppen. Für von Friesen ist dieser Band gekennzeichnet von dem Wunsch, "das Gemeinsame und das Unterschiedliche der Brüderstaaten präzise zu benennen und (emotional) auszuhalten".
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