Jan Koneffke

Die Tsantsa-Memoiren

Roman
Cover: Die Tsantsa-Memoiren
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2020
ISBN 9783869711775
Gebunden, 560 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Um das Jahr 1780 gelangt ein Schrumpfkopf in den Besitz von Don Francisco, Beamter der spanischen Krone in Caracas. Als Wandschmuck in dessen Schreibstube hängend beobachtet er das Geschehen um sich herum ganz genau - und bemerkt wie nebenbei, dass er gerade dabei ist, ein Bewusstsein zu entwickeln. Und dass er sprechen kann. Doch als er schließlich zum ersten Mal den Mund aufmacht, sorgt das bei Don Francisco prompt für einen Herzinfarkt - und der Schrumpfkopf bekommt einen neuen Besitzer. Seine Reise führt ihn in den folgenden Jahrzehnten u. a. nach Rom, Paris, Frankfurt, London, Bamberg, Bukarest, Wien und Berlin. Er wird Zeuge historischer Begebenheiten und alltäglicher Kleinigkeiten. Und nach und nach findet er immer mehr über seine eigene Vergangenheit heraus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.01.2021

Rezensent Harald Eggebrecht freut sich, dass Jan Koneffke mit erzählerischer Eleganz der Gefahr des "schaurig Grotesken" entgeht. Die abenteuerliche Zeiten und Kontinente umspannende Abenteuergeschichte, erzählt von einem Schrumpfkopf, beginnt laut Eggebrecht zwar furioser als sie endet, aber das scheint dem Rezensenten verzeihlich angesichts der Originalität, des "gelassenen" Tempos und des Witzes des Ganzen. Einen derart ungewöhnlichen, "geistreichen" Schelmenroman, der den Leser von Caracas bis nach Grinzing führt, von Napoleon bis zum Mauerfall, hat Eggebrecht wohl noch nie gelesen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.12.2020

Rezensentin Susanne Lenz hat jede Menge Spaß mit Jan Koneffkes Hauptfigur Schrumpfi, einem Schrumpfkopf. Wie der Autor den Leser anhand seines ungwöhnlichen Protagonisten durch die Zeitläufe führt, 200 Jahre Geschichte erzählt und Schrumpfi von Rom in die Frankfurter Paulskirche und weiter über Stationen bei Schaustellern und bei der Stasi bis in den Prenzlberg folgt, scheint Lenz unerhört. Unerhört gelungen vor allem, denn der Text stellt große Fragen an die Historie, erörtert Gewalt- und Körpererfahrungen, und das "mitreißend" fabulierend, so Lenz.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.12.2020

Kein bisschen angetan ist Rezensent Burkhard Müller von diesem Roman, selbst wenn er dem Einfall, einem im 18. Jahrhundert leichenschänderisch nach Europa gelangten Schrumpfkopf eine Stimme zu geben und kommentierend durch die Geschichte geistern zu lassen, durchaus etwas abgewinnen könnte, wie es anfangs scheint. Aber es zeigt sich schnell, dieser Kritiker hat nicht wirklich etwas dafür übrig, denn ziemlich schnell ist er entnervt von der Vorhersagbarkeit des Verhaltens der verschiedenen Besitzer durch die Jahrhunderte, mehr noch, von den Kommentaren und Zauberkunststücken eines nie glaubhaft Anderen, hinter dem sich doch immer nur der zeitgenössische, zudem besserwisserische Erzähler verbirgt. Am Ende findet unser Kritiker das sogar richtig "billig".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2020

Rezensent Jan Wiele ist hin- und hergerissen zwischen Faszination und Abscheu angesichts von Jan Koneffkes seltsamem Schelmen- und Bildungsroman. Dass der Autor einen Schrumpfkopf zum Erzähler macht, zum Reisenden, der uns die Welt- und vor allem die Gewaltgeschichte aus seiner einzigartigen Perspektive schildert, nimmt Wiele als originelle Idee, wenngleich ihm "Schrumpfis" Dauergequatsche mitunter arg auf die Nerven geht. Die solcherart inszenierte "ironische Geschichtsschreibung" hat für Wiele indes zwei Seiten, eine humorvolle und eine schonungslos, mitunter sogar genüsslich barbarische. Letztere zeigt sich dem Leser in Gestalt von brutalen Kolonialisten und monströsen Nazis, von Kannibalismus und Holocaust. Die Absicht des Autors muss hier eine provokative sein, mutmaßt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.09.2020

Michael Braun trifft den kuriosesten Erzähler seit langem in Jan Koneffkes neuem Roman: einen Schrumpfkopf. Wie der Autor diesen "Tsantsa" die Weltgeschichte kommentieren, ja Weltgeschichte schreiben lässt, ihn vom toten Objekt zum handelnden Subjekt großer Revolutionen und Barbareien stilisiert, findet Braun famos. Ein Schelmenroman der besonderen Art, voll Erfindungsgabe, opulenter Ausmalung, bizarrer Details, sprachbegeistert und komisch, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.09.2020

Rezensent Peter Körte erkennt zwar an der Sprache, dass hinter der fantastischen Erzählerfigur des Schrumpfkopfes in Jan Koneffkes Roman unzweideutig der Autor steckt, weil dieser "Schrumpfi" stets im gleichen Grundton spricht, ob er nun im Namen der Revolution von 1848 in der Paulskirche redet oder als Börsenstar der letzten 90er Jahre, doch das verzeiht der Rezensent dem Autor gern. Zu originell findet er Koneffkes Idee, Weltgeschichte durch Aug' und Verstand eines Schrumpfkopfes zu erleben, zu anschaulich, historisch genau und detailreich, wenngleich eher traditionell, erzählt Koneffke ihm von fremden Orten und Gebräuchen.
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