Damit das Theater bleiben kann, was es war, muss es sich ändern. "Theater hassen" ist eine Streitschrift gegen und für das Theater, eine Totenrede und ein Liebesbrief, eben Ausdruck einer dramatischen Beziehung.
Fahle Gespenster schleichen über die Bretter, die früher die Welt bedeuteten, heute aber nur mehr morsch knarzen. Das Theater verrennt sich in einer Nische, die niemanden interessiert. Verzweifelt holt es Flüchtlinge auf die Bühne oder zwingt die Zuschauer zum Mitmachen. So verkommt es zum Kabarett und zum Kindergarten. Außerdem ist es enorm unpraktisch: abhängig von Subventionen, trotzdem teuer, unverwandt elitär, nur heuchlerischer als früher, unbequem - weder kann man Popcorn essen noch auf die Toilette gehen. Es gibt jede Menge Gründe, das Theater zu hassen. Man ist es ihm sogar schuldig, besonders, wenn man es liebt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2016
Christine Dössel hat sich zu früh gefreut. Jan Küvelers laut Dössel flamboyant losgehender Essay über die Hassliebe eines Theaterkritikers bietet letztlich statt Erkenntnissen und Geständnissen bloß solipsistischen Aufwasch und Genörgel, meint sie. So selbstbewusst der Kollege von Aristoteles zu Fußball zu Netflix zu Shakespeare springt, Jelinek basht, Castorf lobt, klagt Dössel, so rettungslos landet er letztlich im Gewurschtel der Redundanzen und wohlfeilen Kritik. Dass der Band nur aus Zeitungstexten zusammengeschustert ist, entgeht der Rezensentin natürlich auch nicht.
Katrin Bettina Müller durchschaut Jan Küveler und die Strategie des Theaterkritikers, der auch Pop sein möchte und dauernd nach großen Affekten sucht, um nicht der Langeweile anheimzufallen. Eigentlich böse, doch Müller verpackt das ganz nett und suggeriert Mitgefühl, wenn Küveler in den Texten Fußball, Netflix und Kino heranzieht, um über Katharsis zu schreiben oder seine Abneigung gegen den Konsens zu illustrieren. Küvelers Liebe zur Volksbühne ist wiederum ja auch beinahe Konsens, könnte man sagen. Aber Müller sagt das nicht, und entdeckt lieber die unterhaltsamen Seiten des Buches oder die lehrreichen, wo der Autor aus der Theatergeschichte erzählt. Das klingt mitunter wie schönstes Feuilleton zwischen einigem "Dramaturgen-Wortgeklingel", findet die Rezensentin.
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