In Reaktion auf die politische Spaltung der Gesellschaft und die Wiederkehr reaktionärer Tendenzen wird auch das Theater von einer Welle der Politisierung erfasst: Man reinszeniert historische Schlüsselereignisse, holt authentisch Betroffene sowie "Experten des Alltags" auf die Bühne und schafft Raum für marginalisierte Identitäten und Gruppen. Doch indem sich das Theater der Tagespolitik anverwandelt, erklärt es seine eigene künstlerische Formenwelt für obsolet. Am Ende steht dann zumeist schlechte Kunst und noch schlechtere Politik. In seinem konzisen Essay interpretiert Jakob Hayner diese Entwicklung als Ausdruck einer tief greifenden intellektuellen und künstlerischen Krise und fordert eine Rückbesinnung darauf, was das Theater gegenüber anderen Kulturerscheinungen auszeichnet. Denn nur wenn die politischen Fragen in der Sprache der Kunst aufgeworfen und verhandelt werden, lässt sich das Potenzial des Dramas retten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2020
Rezensent Simon Strauss erfährt in Jakob Hayners Essay, woran das Theater krankt und was es heilen könnte, jedenfalls nach Meinung des Autors. Für Hayner, so Strauss, hat Theater ein Recht auf Form vor Inhalt, auf ästhetische Autonomie und soll nicht zum moralisierenden "Mitteilungszentrum" und zur Dienstleistung verkommen. Für Strauss Kulturkritik at its best. Schade nur, dass der Autor keine Praxisbeispiele bringt für die ungute, weil laut Hayner beides neutralisierende Verbindung von Kunst und Moral, findet er.
So ganz verständlich wird nicht, was Rezensentin Shirin Sojitrawalla aus diesem Buch zieht. Fest steht: Autor Jakob Hayner ist mit dem Gegenwartstheater unzufrieden. Zu oft langweilt er sich. Was konkret ihn stört, da wird's nach den Ausführungen der Rezensentin hakelig: Dokumentartheater mag er nicht, er bevorzugt "Schein, Spiel und Mimesis". Gleichzeitig ist er jedoch laut Kritikerin überzeugt, dass das Theater die Verhältnisse nicht nur hinterfragen, sondern auch verändern sollte. Ob das mit "Schein, Spiel und Mimesis" möglich ist, fragt man sich beim Lesen der Kritik? Geht das nicht geradezu gegen ihre Natur?
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…