Aus dem Niederländischen von Bettina Bach. Eigentlich könnte Hans Sievez, Mitte Dreißig, von Beruf Gärtner, glücklich sein. Er hat seine geliebte Schulfreundin Margje geheiratet, eine kluge, attraktive Frau, hat zwei Söhne und besitzt eine eigene Gärtnerei mit Gewächshäusern und Werkstatt, mit alten Mammutbäumen, selbstgezüchteten Farnen, einem blauen Samtteppich voller Viola Cornuta im Frühjahr, leuchtend gelben Pantoffelblumen im Sommer - ein wahrer Paradiesgarten. Seine schwere Kindheit am Rande des Moors, sein strengreligiöser Vater, der Tod der Mutter sind vergessen. Doch leicht ist dieses glückliche Leben nicht: Trotz allen Fleißes bleibt der wirtschaftliche Erfolg aus. Darüber hinaus taucht eines Tages ein Freund aus seiner Lehrzeit auf: Jozef Mieras, der Laienprediger. Es ist die ergreifende Geschichte einer großen Liebe, von der der niederländische Schriftsteller Jan Siebelink erzählt und in die autobiographische Motive eingeflossen sind - das beklemmende Epos vom Leben und Sterben eines Mannes, der sein irdisches Glück einer extremen Form von Religiosität opfert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2007
In seiner Heimat, den Niederlanden, ist der Autor Jan Siebelink schon lange beliebt und landete mit diesem Roman einen Riesenerfolg. Das hat ihm zur erstmaligen Übersetzung ins Deutsche verholfen und die späte Bekanntschaft mit dem bald siebzigjährigen Autor, sie lohnt. Findet jedenfalls der Rezensent Jochen Hieber. Der Held des Romans Hans Sievez lebt eine bescheidene Existenz als Blumengärtner im Städtchen Velp. Nicht oft, aber doch regelmäßig überkommen ihn in seinem Leben Schübe der Gewalt und heftiger Religiosität. Wie sie kommen, gehen sie freilich auch wieder vorbei. Der Erfolg des Romans verdanke sich nicht zuletzt, meint der Rezensent, einem "Nostalgiegefühl". Die in dem in den Siebzigern endenden Roman geschilderten Niederlande gebe es so nicht mehr. Zugleich aber erweise sich Siebelink im Verzicht auf simple Erklärungen als "Erzählexperte für Ambivalenzen" - und bringe darin ein durchaus modernes Bewusstsein sehr überzeugend auf den Punkt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007
Der Erfolg des Buches erscheint Rezensent Ulrich Baron gerechtfertigt. So eindringlich, in seiner Tragik wie in seiner Widerwärtigkeit, hat er religiösen Wahn und Weltverlust noch nicht geschildert bekommen. Die "grotesk entstellten Physiognomien" der Glaubenseiferer rufen bei Baron Ekel hervor, und die religiöse Verführung eines hingebungsvollen Menschen verfolgt er mit Bestürzung. Zumal Autor Jan Siebelink nicht versucht, Erklärungen zu finden, sondern dem Rezensenten "in schmerzhaft schönen Momenten" vorführt, was es heißt, mit dem Wahn, aber ohne Hoffnung leben zu müssen.
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