Probebohrung im Himmel
Gedichte

Berlin Verlag, Berlin 2001
ISBN
9783827000712
Gebunden, 80 Seiten, 12,27
EUR
Klappentext
Im Fußballerbild an der Wand einer Provinzstube die Schnittstelle zu einer dahinterliegenden Geschichte lesbar zu machen, an einem Fischstand in der Normandie die Geschichte eines Todes zu erzählen - Jan Wagner lässt in Gedichten die Romane des Lebens anklingen. Seine Aufmerksamkeit gilt Zeitungsschnipseln,die die Dinge verändern, rauchenden Engeln und Gruselfilmen, die Türen im Herzen zukrachen lassen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2001
In der Lyrik des 1971 in Hamburg geborenen Jan Wagner wandert ein sensibles Ich durch die Welt, das unter der Oberfläche der Erscheinungen Dinge wahrnimmt und benennt, die sich nicht jedem Menschen zeigen, schreibt Martin Krumbholz, den die Gedichte Wagners tief berührt haben. Er hat in den Gedichten nichts Modisches, aber viel Zeittypisches entdeckt: "Sie offenbaren einen frischen, bestechend assoziierenden Blick auf das, was heute bemerkenswert ist" - lautet das überaus positive Urteil des Rezensenten. Seien es nun die Kastanien in Berlin-Prenzlauer Berg, die Gaststuben in der Provinz oder die Arbeitsabläufe in einem Friseursalon.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.06.2001
Reichlich durchwachsen ist die Besprechung von Michael Braun über den ersten Band des neuen Sterns am Lyrikhimmel, den dreißigjährigen Jan Wagner, ausgefallen. Der Rezensent hat keinerlei Zweifel, dass dem Autor eine Dichter-Karriere sicher ist. Denn er besitzt das Talent, merkt Braun etwas böse an, die avanciertesten Stile des aktuellen Lyrik-Diskurses geradezu "stupend" zu adaptieren. Keinen Zweifel hat Braun auch daran, dass Jan Wagner außerordentlich begabt ist. Doch hat der Jungstar für seinen Geschmack den Bogen oft überspannt, spiele zu sehr mit metaphorischen Überhöhungen und symbolischen Aufladungen und verrate so einen selbst auferlegten "Poetisierungsdruck". Sehr gelungen, das heißt poetisch schön und präzise, findet Braun aber unbestritten Wagners stillebenhafte Genrebilder, etwa die Gedichte über das Foto einer Fußballmannschaft, über Champignons, Fenchel und Melonen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 12.06.2001
Für André Hatting ist der vorliegende erste Lyrikband Jan Wagners ein Beispiel dafür, dass der ein guter Übersetzer (von Charles Simic und James Tate) und ein kluger Herausgeber einer Lyrikzeitschrift ("Die Außenseite des Elements") nicht automatisch einen guten Dichter ergibt. Hatting sind Wagners erste eigene Gehversuche in Sachen Lyrik zu wuchtig, auch zu antiquiert und harmlos. Der Rezensent formuliert seinen Vorbehalt folgendermaßen: so wie er früher Löcher in Jeans geschnitten hätte, damit sie modisch wirkten, schneide Wagner "Metaphern in seine Poeme hinein, damit sie dichterisch aussehen" - das ist schon ein ziemlich vernichtendes Urteil, dem die Formulierung von der "banalen Erhabenheit" einer Bildungsreise ins alte Griechenland oder zum Benediktinermönch Dom Pérignon keine wirkliche Wertbesserung zufügt. Das Pathos, vor dem der Autor in einem poetologischen Bekenntnis selbst gewarnt habe, hat ihn, so Hatting, dann doch eingeholt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2001
Zunächst einmal ein Lob an unseren Rezensenten. Der präsentiert nämlich - wie selten - eine gut verständliche, schön geschriebene und schlüssige Besprechung eines Gedichtbandes. Jochen Hieber hält die erste Veröffentlichung des dreißigjährigen Jan Wagner für fulminant. Der vorliegende Band mit gut vierzig Gedichten enthält viele kleine "wohlgelungene Poems" und ein "selbstgewisses poetologisches Programm", lobt der Rezensent. Kunstreiche Versgebäude, Metaphernfreude und Vergleichslust - das alles hat der Autor sehr gelungen in seinen Gedichten zusammengebracht, denkt Hieber. Jan Wagner, der sich bisher einen Namen mit der Übersetzung von angelsächsischer Lyrik gemacht hat, hält er für einen, der Dichten und Verdichten zusammenführt. Nur Wagners politische, weltanschauliche oder weltdeutende Lyrik ist ihm etwas zu bangestrengt und "wohlfeil": "Bildungs- und Meinungsfracht, sensibel und ein wenig steril", kritisiert Hieber.
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buecher.de