Eine Woche bis zur Hochzeit ihrer Tochter und Agnes beschleicht ein ungutes Gefühl: So viele Therapeuten unter den Gästen, wenn das mal gutgeht. Sie ahnt nicht, wie recht sie hat! Da wäre zum Beispiel ihr Onkel Malcolm, der Agnes nach dem Tod ihrer Eltern aufzog und nie den Mut aufbrachte, ihr zu erzählen, wessen Kind sie wirklich ist. Joseph wiederum ist heimlich in Agnes verliebt, seit sie vor Ewigkeiten bei ihm in Therapie war. Beide Männer haben sich vorgenommen, ihre Geheimnisse endlich zu lüften. Der größte Risikofaktor für die Hochzeit ist jedoch Agnes selbst, die sich gerade von einer intensiven Affäre erholt, von der niemand wissen soll.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2024
Als Psychoanalytikerin kennt Jane Campbell die Abgründe der menschlichen Seele wohl besser als die meisten, vermutet Rezensent Rainer Moritz. Wie gut, dass sie sich entschieden hat, aus diesen Abgründen zu schöpfen und das Zu-Tage-Gebrachte zu Literatur zu verarbeiten. Und was für Literatur! "Souverän", behände und geschickt erzählt die 1942 geborene Debütantin ihre Geschichte über folgenreiche Entscheidungen und die Motivationen, die ihnen zugrunde liegen, so der Rezensent. Dabei spielt sie gekonnt mit bekannten Inzestmythen, flicht die Ideen Freuds mit ein, und hält bis fast zum Schluss einen eleganten Spannungsbogen aufrecht, lesen wir. Nur in den letzten Kapiteln geht es dem Rezensenten ein wenig zu schnell. Trotzdem erwartet Moritz weitere Bücher dieser Autorin mit Vorfreude.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.08.2024
Ein Meisterwerk: So das Urteil der Rezensentin Katharina Döbler über Jane Campbells ersten Roman. Die knappe Rezension stellt die drei Hauptfiguren vor: einen Theologieprofessor, dessen ebenfalls akademisch aktive Nichte, sowie den Therapeuten dieser Nichte, einen Mann mit Mutterkomplex. Die Handlung, die diese drei Figuren in durchaus musikalischer Manier verknüpft, hat etwas mit einer Liverpooler Liebesnacht im Zweiten Weltkrieg sowie mit der Psychoanalyse zu tun, deutet Döbler an, die von der Klugheit und Menschenkenntnis der Autorin - ihres Zeichens ebenfalls Psychoanalytikerin - schwer beeindruckt ist.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…