Gute Ratschläge
Roman

Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN
9783446279575
Gebunden, 320 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Monika Baark. Eliza, 51, schreibt Briefe an Joan, die Nachbarin, die offenbar ihren Mann und ihre Kinder verlassen hat, und die sie eigentlich kaum kennt. Briefe mit besten Ratschlägen - voller ungeschminkter Wahrheiten, schlafwandlerisch sicher gesetzter Seitenhiebe und Exzentrik. Antwort bekommt Eliza nie, was ihre Schreibwut eher anstachelt. Als ihr Mann Henry plötzlich auszieht, geraten die Briefe zu immer wilderen, fiebrigen Bekenntnissen einer zutiefst einsamen, in ihrem Leben gefangenen Frau, der nicht unbedingt zu trauen ist.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.06.2024
Dieser Briefroman von Jane Gardam ist so unterhaltsam wie berührend, urteilt Rezensentin Kathleen Hildebrand. Er spielt in einer Vorstadt von London, wo die zunächst wenig sympathische Protagonistin Eliza Peabody beginnt, ihrer Nachbarin Joan brieflich Ratschläge zum ,richtigen' Leben als glückliche Hausfrau und Mutter im wohlhabenden Milieu der Rathbone Road zu schreiben. Erst mit der Zeit wird, so die Rezensentin, deutlich, dass Eliza vor einem Nervenzusammenbruch steht und der soziale und psychische Kollaps, vor dem sie Joan warnt, ihr eigener ist - und am Ende fragt sich die Leserin, ob es die unziemliche Nachbarin Joan überhaupt gibt. Die Rezensentin lobt Gardams nüchternen und doch "leichten" Erzählton. Dass Gardam im Original bereits 1992 erschienener Roman mit Monika Baarks Übersetzung dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht wird, kann sie sehr begrüßen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 22.05.2024
"Großartig entlarvend" findet Rezensent Peter Henning diesen 1991 erschienenen Roman von Jane Gardam über die Diplomatengattin Eliza Peabody. Die ist "eine ausgemachte Nervensäge", so der Kritiker, die nicht müde wird, ihren Mann, aber auch sämtliche Nachbarn und Bekannte mit ungebetenen Ratschlägen zu bombardieren. Nachdem es ihrem Mann zu viel der Kritik geworden ist, fängt Eliza an, ihrer Nachbarin Jane Briefe zu schreiben, in denen sie deren Lebensentscheidungen kritisiert. Obwohl Jane nie Antwortet, wird Eliza nicht müde, ihr guten Rat zu erteilen, resümiert der Kritiker weiter, und steigert sich dabei immer weiter in verrückte Ideen hinein. Henning gefällt gut, wie Gardam nach und nach die tiefsitzenden Frustatrationen und Enttäuschen dieser Besserwisserin entlarvt und dabei immer wieder spannende Wendungen in die Handlung einbaut. Eine besondere Form von Briefroman, klug wie amüsant, schließt Henning.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.04.2024
Schön, dass dieses ursprünglich 1991 erschienene Buch der Britin Jane Gardam nun auch auf Deutsch vorliegt, findet Rezensentin Petra Pluwatsch. Der außergewöhnliche Briefroman besteht, so die Kritikerin, aus den unbeantworteten Schreiben, die Eliza Peabody, eine Frau in ihren Fünfzigern, an ihre Nachbarin - eine Diplomatengattin, die eines Tages auf Asienreise geht - adressiert. Die Ratschläge des Titels werden also nicht angenommen, lesen wir, vielmehr erfährt man aus den Briefen von Peabodys Frustration über das triste Vorstadtleben, während ihre Briefe immer wütender und sarkastischer werden. Ihr eigener Mann hat sie verlassen, fährt Pluwatsch fort, schrittweise gerät eine vergangene Katastrophe in den Blick, die das Leben der Briefschreiberin tief geprägt hat. So fügt sich Gardams Buch zu einem Roman der Erkenntnis und auch der Heilung, schließt die von der Lektüre äußerst angetane Rezensentin.