Über die Kolyma versammelt autobiografische Texte des russischen Schriftstellers Warlam Schalamow. Anders als in seinem Hauptwerk, den Erzählungen aus Kolyma, schreibt er hier erkennbar und ohne Überhöhung ins Symbolische über sich selbst. Soweit sein Gedächtnis es hergab oder er es für angebracht hielt, rekonstruierte Schalamow, was ihm während der vierzehn Jahre Haft in den Lagern der Kolyma-Region (1937-1951) widerfahren war. Seinen eigenen Erlebnissen entnimmt er ein neues, erschreckendes Wissen über die Abgründe des Menschen, über "das Gesetz des Verfalls" wie über "das Gesetz des Widerstands gegen den Verfall". Jahrzehnte später überprüft er dieses Wissen an sich selbst, befragt sein Gedächtnis. Die hier erstmals übersetzten Texte lassen den Leser unmittelbar teilnehmen an dem, was Schalamow in den Lagern erlebte, und zeigen sein Ringen um Selbsterkenntnis.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2018
Jörg Plath liest die Erinnerungen Warlam Schalamows an den Gulag mit Grauen. Gerade Schalamows Zurückweisung jeglichen realistischen Erzählens und aller Psychologie in den von Franziska Thun-Hohenstein chronologisch zusammengestellten Erzählungen, Miniaturen, Essays und Skizzen, lassen für Plath das Zerreißen der Existenz spürbar werden. Die hier versammelten Texte versteht der Rezensent als "Steinbruch" für Schalamows Ende der 80er erschienenen "Erzählungen aus Kolyma".
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