Übersetzt, kommentiert und mit einem Nachwort von Antonin Brousek. Ob er vom Herrn Ferdinand erzählt, dem Ladendiener in der alten Drogerie, oder von den Problemen, ein Sarggeschäft zu führen, ob er von einer entscheidenden halben Stunde auf dem Canale Grande berichtet oder von absurdesten Schwierigkeiten der Verwaltung im nachrevolutionären Russland, ob es um den Umgang der Eltern mit ihren Kindern geht oder um den von drei Männern mit einem Hai: Hašeks an der Wirtshausanekdote gestählte Erzählungskunst schafft es immer, aus alltäglichen Situationen ein Feuerwerk seltsamster Einfälle und Absurditäten zu zaubern, zwerchfellerschütternd komisch und tiefsinnig zugleich. In diesen zehn bis 15 Seiten langen Texten ist der eigentliche Hašek zu entdecken. Als er 1923 mit 39 Jahren starb, hinterließ er zwar seinen nicht vollendeten Roman 'Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk', der ihn schnell weltberühmt machte. Doch hatte er, was heute kaum bekannt ist, von 1901 bis 1922 ungefähr 1.500 Texte an Kurzprosa verfasst: Feuilletons, politische Kommentare, vor allem aber hinreißende kurze Geschichten. Die allerbesten dieser Geschichten hat Antonín Brousek für diesen Band zusammengestellt und übersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2016
Was für ein Teufelskerl, staunt Jörg Plath angesichts der hektischen, von manischen Schreib- und Alkoholexzessen geprägten und entsprechend nur bis zum 39. Lebensjahr währenden Biografie des tschechoslowakischen Feuilletonisten und Anarchisten Jaroslav Hasek, der selbst gut dotierte, bürgerlich ehrbare Jobs im Zuge seines Lotterlebens und wegen seiner Neigung zum beherzten Flunkern sausen ließ. Mit der vorliegenden, von Antonín Brousek zusammengestellen und "treffsicher" übersetzen Geschichtensammlung hat der Rezensent trotz aller Begeisterung für den Autor dennoch ein paar Probleme: Manche der Geschichten hantieren auf schlicht wenig tragfähiger Grundlage, auch vermitteln sie wenig von dem politischen Autor, der Hasek gewesen ist. Die Entscheidung, die Texte thematisch, statt chronologisch zu sortieren, missfällt dem Kritiker obendrein, der allerdings auch versichert, einige "umwerfend komische" Erzählungen ausfindig gemacht zu haben. Dennoch macht Plath seinen Frieden mit der Veröffentlichung: Die weniger humoristischen, als vielmehr bitteren und traurigen Abrechnungen mit der deutschen Bürokratie und dem russischem Irrsinn entschädigen ihn für manche Durststrecke.
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