Jayne-Ann Igel

Wolken hinterm Rollo

Cover: Wolken hinterm Rollo
Gutleut Verlag, Frankfurt am Main und Weimar 2024
ISBN 9783948107376
Einband unbekannt, 92 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Jayne-Ann Igels lyrische Welt kreist um drei Themen: Biografie, Landschaft, Geschichte. In fließenden Übergängen verschränkt sie diese drei Knoten, die zusammen gehören, die zusammen zu denken und zusammen zu empfinden aber Sprachenergie kostet. Mit wolken hinterm rollo erscheint nun zum siebzigsten Geburtstag der Leipziger Autorin ein Band, der diese Themen mit einem Zentralmotiv versieht: dem Blick durch das Fenster. Sie imaginiert sich in Landschaften, die vertraut wie fremd erscheinen, ohne in ihr vorzukommen. Glas und Rahmen sind durchlässig, ermöglichen sensible Aufnahmen, trennen aber auch, machen zu teilnehmenden Beobachtern. Bei Jayne-Ann Igel ist das lyrische, sehende Auge weder in einem festen Subjekt noch im Gegenstand; es ist Teil der Landschaft. Empfinden an Schwellen, an Übergängen; ein melancholisches Aufwickeln, das beim Lesen berührt, sogar tief berührt, auch tröstet. Mal scheint die Bewegung ruhig, sanft registrierend. Mal greift sie in die Szenerie ein, findet Spuren des eigenen Lebens, Spuren der Geschichte wieder, pflanzt in die Landschaft ein, was hier sein sollte. Mal scheint es, als würde sie das Fenster auf der Schulter durch die Landschaft tragen, um es als zentrales Objekt für den zukünftigen Häuserbau einzusetzen; Gedichtemachen als Renovierung der Seele. Im Gedicht Abgeputzt heißt es: "schluß mit den staubverliesen / und räume noch mal neu: vermessen, durchmessen und erahnen, ist da was ziegelmäßig umbaut oder nur noch rußige mauer, die was scheidet, das unermesslich, reichtum nimmer, der putz ist runter, der eine oder andere ziegelzahn, rot, besticht, willst mit den fingern darüber gleiten, deine augen sehen ihn alt, als stoff, der nicht mehr gilt, in zeiten des grauen kunstgesteins, doch sande auch, die gasbetonziegel größer, damit man eher fertig, mit dem bau, der idee vom bau, das bauen vergißt, das worauf -"

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 17.12.2024

Rezensentin Beate Tröger erahnt Hölderlin als Ahnvater von Jayne-Ann Igels in diesem Band versammelten Gedichten. Den DDR-Alltag und das eigene Leben erinnert die Autorin in den Texten laut Tröger sinnend kreisend, melancholisch, verdunkelnd. Hoch sensitiv erscheint der Rezensentin Igels Blick auf Familie und Gesellschaft, auf das eigene Fremdsein, den Verlust und die Entwurzelung. Das Ich in den Gedichten erfährt sich als fluide, kontingent und vergänglich und spricht dichtend dagegen an, erklärt Tröger.

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