Wie gestorben werden sollte und was es mit dem Tod auf sich hat - wir können nicht anders, als uns diesen Fragen schonungslos und realitätsnah zu stellen. Während früher der Prozess des Sterbens und der tote Körper einer weitgehend ritualisierten und religiösen Öffentlichkeit überantwortet wurden, fordern Sterben und Tod uns heute zu individuellen Entscheidungen heraus. Durch die Fortschritte der modernen Medizin sterben Menschen heute sehr viel später, und oft dauert das Sterben länger, d. h., das Sterben muss als vitaler Bestandteil des Lebens betrachtet werden. Der Theologe Jean-Pierre Wils gibt in diesem - weder fortschrittsgläubigen noch pessimistischen - Essay Hinweise zur Orientierung in einer aktuellen und schwierigen Debatte. "Ars moriendi" ist eine ethische Unterweisung, die uns die Grundphänomene, die das Sterben begleiten - Schmerz und Leiden -, begreifbar macht. Wir müssen die Kultur des Sterbens neu verstehen lernen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2007
Bedenkenswert scheint Uwe Justus Wenzel diese Abhandlung über das Sterben, die der Theologe und Ethiker Jean-Pierre Wils vorgelegt hat. Er schätzt die umsichtige, moderate Herangehensweise des Autors, sein Vermeiden von Extremen. Wils wende sich sowohl gegen eine Romantisierung der Sterbekunst von einst als auch gegen eine Verdammung der heutigen "Intensivmedizin", die er aber gleichwohl nicht "vergöttern" wolle. Wenzel begrüßt vor allem Wils' Ansätze zu einer "Ethik des Sterbens", die auch vor der Frage der Sterbehilfe nicht zurückschrecke. In diesem Punkt konstatiert er beim Autor eine eher "liberale" Position, die dieser "behutsam, aber deutlich" vertrete.
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