Aus dem Englischen von Melanie Walz. Einst waren sie jung und schön, trunken vor Glück und sorglosem Übermut. Auf den Rausch des Verliebens folgte das gemeinsame Reifen, sich Annähern und Entfernen, sie heirateten, bekamen ein Kind. Ihre Liebesbriefe versahen sie mit dem Absender "Amt für Mutmaßungen", hatten immer mehr Fragen und weniger Gewissheiten. Denn ganz allmählich, kaum wahrnehmbar, begann sich etwas zu ändern - und plötzlich standen sie am Abgrund. Jenny Offill zeichnet das Porträt einer jungen Frau in New York, deren Denken um alltägliche Freuden und Sorgen kreist, um Schlafmangel, Treue, die Liebe zu ihrem Mann und ihrer Tochter, sich aber auch davonmacht in die fernen Sphären der Raumfahrt, Meeresforschung und antiken Philosophie. Ein fein schwingendes Gedankenmobile, vergnüglich ausbalanciert mit Zitaten von Kafka, Keats, Einstein und Tipps für die Hausfrau im Jahr 1897.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2014
Am Ende entschließt sich Angela Schader doch noch zu dem Prädikat "klasse" angesichts von Jenny Offills Roman über ein Leben als Mutter und Ehefrau. Das liegt daran, dass die Autorin dem bei einem solchen Thema drohenden Kitsch entkommt und das Happy End des Buches literarisch überzeugend gestaltet. Es liegt laut Schader aber auch an der "hochmusikalischen" deutschen Fassung des Textes. Vor allem aber liegt es an Offills Mut, verschiedene Genres miteinander zu kombinieren, meint Schader, Handlung in kürzeste, epigrammatische, durchaus disparate Vignetten zu fassen und damit eine offene Erzählstruktur zu erschaffen. Für den Leser bedeutet das laut Schader die Chance, eigene Erfahrungen und Gefühle in den Text einzubringen. Offenbar ein nicht unerheblicher Gewinn.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 27.11.2014
Jenny Offills Roman "Amt für Mutmaßungen" ist gefährlich, warnt Ijoma Mangold, mit ihren komprimierten Sätzen seziert die Autorin Glücks- wie Unglücksmomente in der Ehe ihrer Erzählerin, wobei sie nicht nur deren ängstigende Absurdität offenlegt, sondern auch ihre Komik, erklärt der Rezensent. Zum Beispiel lässt Offill ihre Erzählerin darüber grübeln, warum wir von den hunderteinundzwanzig Bewusstseinszuständen, die es laut den Buddhisten gebe, ausgerechnet die drei leidvollen zu bevorzugen scheinen, berichtet Mangold. Trotz der unfassbaren, aphoristischen Verdichtung - Offill fände noch "auf der Rückseite einer Briefmarke" Raum für einen Roman, ist sich der Rezensent sicher - erzählt der Roman aber auch eine Geschichte: von einer anfänglich glücklichen Ehe, die durch einen Seitensprung aus den Fugen gerät, fasst Mangold zusammen.
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