Jens-Christian Wagner

Produktion des Todes

Das KZ Mittelbau-Dora
Cover: Produktion des Todes
Wallstein Verlag, Göttingen 2001
ISBN 9783892444398
Broschiert, 640 Seiten, 50,11 EUR

Klappentext

Herausgegeben von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Jens-Christian Wagner legt eine Monografie zur Geschichte des KZ Mittelbau-Dora vor, dessen dichtes Netz von Außenlagern in den letzten beiden Kriegsjahren den Harz überzog. Die Insassen dieser Lager waren überwiegend in Bauprojekten zur Untertageverlagerung der Rüstungsindustrie beschäftigt. In Abgrenzung zu bisherigen Studien, bei denen die Produktion der sogenannten "V-Waffen" im unterirdischen Mittelwerk im Zentrum stand, stellt der Autor das KZ Mittelbau als ausgesprochenes Bau-KZ dar, in dem es angesichts des nahenden Kriegsendes kaum noch zu einer nennenswerten Rüstungsproduktion kam. Tausende von Häftlingen starben auf den Baustellen dieses Lagerkomplexes an den Folgen der Zwangsarbeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2001

Thomas Speckmann bespricht zwei Bücher, die sich mit dem Konzentrationslager Dora befassen, in dem während des Zweiten Weltkriegs von Häftlingen Raketen gebaut wurden.
1) Jens-Christian Wagner: "Produktion des Todes"
Speckmann lobt die akribische Recherche Wagners, mit der dieser die grausame Besonderheit dieses Konzentrationslagertyps herausgearbeitet habe. Denn die kleinen Lager waren in frappierender Weise in die Gesellschaft integriert - eine Auswirkung der Versorgungsenge zu Kriegsende. Sie seien daher gekennzeichnet durch eine gewisse Improvisation; in den letzten Kriegsmonaten musste die SS von ihren Dogmen abweichen und etwa Kleinstlager inmitten von Ortschaften einrichten, weil die größeren Lager immer schwerer zu erreichen waren. Daher seien diese Lager nicht mit denen vor dem Kriege zu vergleichen; die wechselseitige gesellschaftliche Durchdringung sei Kennzeichen auch des KZs Mittelbau-Dora. So wurden zunehmend Wehrmachtssoldaten zur Lagerverwaltung eingesetzt, wobei sich die Existenzbedingungen für die Häftlinge nicht verbesserten. Speckmann unterstreicht an dieser Stelle, dass Wagner zu recht betont, dass die Gewalt in den Lagern kein spezifisches Vernichtungsprogramm der SS mehr erforderte. Die Bereitschaft der Bevölkerung an Mittäterschaft und Gewalt werde durch diese Studie Wagners deutlich. Bemerkenswert nennt Speckmann ein weiteres Ergebnis des Buches von Wagner, dass es nämlich für die Bereitschaft zur Mittäterschaft, die das System der Konzentrationslager erst ermöglichte, nicht erst der nationalsozialistischen Ideologie bedurfte.
2) André Sellier: "Zwangsarbeit im Raketentunnel"
Für sehr viel weniger gelungen hält Speckmann André Selliers Buch zum selben Thema. Der Autor und ehemalige Dora-Häftling werde seinem Anspruch einer Gesamtdarstellung nicht gerecht. Er stütze sich zu sehr auf ältere Literatur, die die Beziehung des Lagers zu ihrem Umfeld vernachlässige. Warum Sellier zudem hauptsächlich Erfahrungsberichte französischer Häftlinge konsultiert und kaum auf archivarisches Material zurückgreift, bleibt dem Rezensenten unklar.
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