Im Jahre 2015 verhandelte das Landgericht Lüneburg gegen den seinerzeit 93 Jahre alten Oskar Gröning, einen ehemaligen Angehörigen der SS. Man legte ihm zur Last, 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen geleistet zu haben.
Jahrzehnte nach der Tat war die Arbeit der Verfolgungsbehörden schwierig. Sie erstreckte sich auf rechtliche, geschichtliche und medizinische Aspekte. Überlebende und ihre Angehörigen sollten die Möglichkeit erhalten, sich vor einem deutschen Gericht zu äußern. Das Alter der Beteiligten, aber auch das Interesse der internationalen Medien war zu bedenken.
Die vorliegende Sammlung vereint Beiträge von Autoren, die als Nebenkläger, Strafverfolger, Verteidiger oder Vertreter der Nebenklage am Verfahren gegen Oskar Gröning beteiligt waren. Ihre Darstellung wird durch Stimmen aus Politik, Wissenschaft und Medien ergänzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2018
Alexander Haneke bekommt mit dem von Frank Lüttig und Jens Lehmann herausgegebenen Band immerhin eine Annäherung an die Antwort auf eine Frage, für die es keine Antwort gibt: Wie konnte es passieren, dass so viele NS-Täter ungestraft davonkommen konnten? Der Band mit dem Prozess gegen Oskar Gröning im Zentrum arbeitet sich historisch und mit Blick auf die Institutionen an diese Frage heran, erklärt Haneke, kann die Frage, warum die "Argumentationsroutinen" allzu lange nicht hinterfragt wurden, aber nicht beantworten. Die Beiträge bieten dem Rezensenten allerdings erstmals einen "komplementären" Erklärungsansatz aus unterschiedlichen Perspektiven. Neu und interessant sind für ihn die Beiträge des Staatsanwalts und der Verteidigung im Fall Gröning sowie die Texte einiger Auschwitz-Opfer.
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