Sollen, ja dürfen Autoren die Politik ihres Staates bejahen? Müssen sie diese verneinen? Bereits die Vorgeschichte des Streitgesprächs, zu dem "Die Zeit" im April 1961 einlud, zeugt von Brisanz: Ein vom Deutschen P.E.N. Zentrum Ost und West 1960 geplantes Treffen gesamtdeutscher Autoren war vom Hamburger Polizeisenator verboten worden. Diskutiert wurde schließlich weit über das zweitägige Symposium hinaus. Genau 50 Jahre nach diesem bedeutenden Treffen von Ost- und West-Schriftstellern werden hier Diskussionsbeiträge, Erinnerungen Beteiligter, Pressestimmen und weiteres Archivmaterial dokumentiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.05.2011
Rezensentin Sabine Brandt begrüßt diesen von Jens Thiel herausgegebenen Band über das berühmte Hamburger Streitgespräch deutscher Autoren aus Ost und West im April 1961. Ausführlich berichtet sie über Hintergründe und Vorgeschichte der Begegnung sowie über den Ablauf der Veranstaltung. Besonders geht sie auf die Stellungnahmen von Hans-Magnus Enzensberger und die von Marcel Reich-Ranicki aufgeworfenen Fragen ein, warum so viele revolutionäre Schriftsteller in der DDR verboten wurden. Dass die Debatte letztlich für keinen der Beteiligten befriedigend war, wundert sie nicht. Spannend findet sie vor allem die Reaktionen der Ostberliner Funktionäre auf die Veranstaltung, die man dank der Arbeit von Thiel jetzt nachlesen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.04.2011
Erhellend findet Rezensent Arno Widmann diese Dokumentation eines Streitgesprächs deutscher Autoren aus Ost und West, das 1961 von der "Zeit" in Hamburg veranstaltet wurde. Der Band bietet zu seiner Freude nicht nur die Protokolle der Debatten, die damals Arnold Zweig, Hans Mayer und Carl August Weber einerseits und Martin Beheim-Schwarzbach, Marcel Reich-Ranicki und Hans Magnus Enzensberger andererseits geführt wurden, sondern auch deren Vor- und Nachgeschichten. Das Ganze wirkt für ihn etwa im Blick auf China durchaus aktuell. Das Dilemma, die sich für Künstler und Schriftsteller in einer Diktatur ergeben, scheinen ihm damals wie heute sehr ähnlich. Deutlich macht das Streitgespräch aber noch etwas anderes: nämlich, warum die Neue Ostpolitik seinerzeit von so großer Bedeutung war.
Alexander Cammann hat diese Dokumentation mit Gewinn gelesen, die ein Treffen zwischen ost- und westdeutschen Autoren aus dem Jahr 1961 rekapituliert. Die Tagung war auf Initiative der "Zeit" zustande gekommen, nachdem ein Auftritt ostdeutscher Autoren in Hamburg ein halbes Jahr zuvor von der Polizei aufgelöst wurde. Hier hat Cammann nun nachlesen können, wie Siegfried Lenz und Martin Walser mit Peter Hacks und Stephan Hermlin über Tolstoi diskutierten ("durch und durch dekadent", beteten die Ost-Autoren die Doktrin nach) oder wie sich ein flamboyanter Marcel Reich-Ranicki für verhaftete, bekämpfte oder totgeschwiegene Autoren ins Zeug legte: "Was habt Ihr getan, um diese Leute freizubekommen?"
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