Je lauter die Wissenschaft verkündet, Leben im Labor herstellen zu wollen, desto heftiger wird ihr vorgeworfen, Gott ins Handwerk zu pfuschen. Je schriller Kritiker der Wissenschaft entgegenhalten, Gott zu spielen, um so erstrebenswerter erscheint ihr das Gotteshandwerk. Vor dem Hintergrund einer kurzen Kulturgeschichte der Lebensherstellung von Aristoteles über Frankenstein bis zur Synthetischen Biologie und Craig Venter plädiert Joachim Schummer für eine Versachlichung der hitzigen Debatte. Denn die Herstellung von Leben ist ein so fragwürdiges wissenschaftliches oder technisches Ziel, wie der Vorwurf des Gottspielens ein zweifelhafter theologischer oder ethischer Einwand ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.06.2012
Für Eva Weber-Guskar ist Joachim Schummers Buch über die wissenschaftlichen und moralischen Probleme der Herstellung von Leben im Labor ein wertvoller Beitrag zu einer wichtigen Debatte. Nach einer kulturwissenschaftlichen und wissenschaftshistorischen Einführung, in der der Autor die Geschichte der Lebenserzeugung von den Schöpfungsmythen bis heute durchgeht, nimmt er die philosophischen Fragestellungen in den Blick. Er legt dar, dass sich weder theologisch noch säkular wirklich überzeugende Einwände gegen die synthetische Biologie finden lassen, so die Rezensentin einverstanden. Dafür setzt sich Schummer stark mit der Kritik an der Lebenserzeugung auseinander, wobei Weber-Guskar moniert, dass sich der Autor dafür vor allem auf die zugespitzten Schlagzeilen in den Medien bezieht. Schummers Zweifel daran, dass mit der synthetischen Biologie überhaupt wirklich Leben im engeren Sinn erzeugt wird, findet die Rezensentin zwar etwas "übertrieben". Aber seinen Essay als Beitrag für eine Debatte zum Thema findet sie absolut notwendig und deshalb sehr begrüßenswert.
Ganz angetan ist Rezensent Ulrich Kühne von Joachim Schummers Geschichte der künstlichen Herstellung von Leben. Dem Wissenschaftsphilosoph und Chemiker gelingt es zu seiner Freude, diese Geschichte von der Antike bis heute ebenso erhellend wie unterhaltsam darzustellen. Dabei bringt der Autor für ihn nicht nur jede Menge Skurrilitäten ans Tageslicht, sondern schildert auch Missverständnisse und Geschichtsvergessenheit in den aktuellen Biotechnologie-Debatten. Vor allem hebt Kühne die Entlarvung des Mythos vom Gott spielenden Biochemiker hervor.
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