Jörg Aufenanger

Friedrich Schiller

Biografie
Cover: Friedrich Schiller
Artemis und Winkler Verlag, Düsseldorf - Zürich 2004
ISBN 9783538071902
Gebunden, 329 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Drei Jahre vor seinem Tod durfte er sich endlich "von Schiller" nennen. Schöner Aufstieg für einen, der als Sohn eines kleinen Feldscherers das Licht der Welt erblickt hatte und als zorniger junger Mann, heimatloser Flüchtling und Verfasser revolutionärer Dramen den Mächtigen lange ein Dorn im Auge gewesen war. Ein kurzes, unruhevolles Leben, eine Existenz voller Brüche, erfüllt von fieberhaftem literarischen Schaffen, Liebesaffären, heftigem Kollegengezänk, der schwierigen Freundschaft mit Goethe. Nach lastenden Krankheitsjahren dann das Ende - schließlich die Fürstengruft, die Sakralisierung zur nationalen Ikone, die vielen den Blick auf Schiller gründlich verstellt und verleidet hat. Jörg Aufenanger trägt die dicke Ölschicht der Heldenverehrung ab und fördert einen fragilen Menschen zutage - in einer Zeit des sozialen, intellektuellen und politischen Umbruchs.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

Rezensent Rolf-Bernhard Essig blickt schon ins Jahr 2005 - zum 200. Todestag von Friedrich Schiller - und berichtet in einer umfassenden Sammelrezension, was es Neues gibt am Horizont der Schiller-Literatur. Jörg Aufenanger hätte der Rezensent mehr Reflexionsniveau gewünscht. Seiner "im Zeichen frühkindlicher Traumata" stehenden Darstellung Schillers kann er einfach nichts abgewinnen. Zu monströs pathologisch werde Schiller hier geschildert - etwa als schwerer Psychosomatiker "pietistisch genussunfähiger" Ausprägung. Zu wenig sei von Schillers Philosophie die Rede. Aufenangers Quellenarbeit findet Essig "kurios", seine Vorstellung vom Idealismus "platt", die Tatsachenaufbereitung "sensationslüstern" und in höchstem Maße spekulativ - von sachlichen Fehlern ganz zu schweigen. Kurz: Ein glatter Verriss.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004

Hanno Helbling ist keineswegs einverstanden mit Jörg Aufenangers Schiller-Biografie. Er ist eher pikiert. Den lässig-modernen Ton, den Aufenanger anschlägt, empfindet er als schnoddrig, der Verzicht auf Anmerkungen wird kopfschüttelnd vermerkt, auch fehlende Kenntnis des Gegenstands - es geht um Schillers und Goethes Brauch, sich auch als enge Freunde noch zu siezen - moniert der Rezensent. Gelten lässt er einzig das Register.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2004

Rechtzeitig vor Schillers zweihundertstem Geburtstag im Jahr 2005 erscheint ein ganzer Stapel neuer Biografien, die den Dichter würdigen, ohne in das nationale Pathos früherer Jahre zu verfallen. Jörg Aufenanger, schreibt die Rezensentin Ursula Homann, bietet dabei vor allem Lesern, die nur wenig oder gar nicht mit dem Werk des Dichters vertraut sind, die Möglichkeit des Einstiegs. Detailreich, anschaulich und in streng chronologischer Gliederung schildert Aufenanger den Werdegang Schillers; dabei, so Homann beifällig, verwendet er meist ein "reportagehaft vergegenwärtigendes Präsens" - der Leser erlebt also mit, wie Schiller sich über seine Schulden den Kopf zerbricht, das erste Mal Goethe trifft oder an seinen Dramen arbeitet. Besonders nützlich erscheint es der Rezensentin, dass Aufenanger den Inhalt der Dramen wiedergibt und kommentiert - der Novize bekommt mit dieser Biographie also ein solides geschnürtes, reichhaltiges Paket, lobt die Rezensentin.

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