Jörg Döring, Erhard Schütz

Benn als Reporter:

'Wie Miss Cavell erschossen wurde'
Cover: Benn als Reporter:
Universitätsverlag Siegen, Siegen 2007
ISBN 9783936533224
Kartoniert, 120 Seiten, 8,00 EUR

Klappentext

Das vorliegende Buch behandelt "Wie Miss Cavell erschossen wurde" als Schlüsseltext für Benns werkbiografische Entwicklung: Für die linken Reporter der Weimarer Republik wird Benn zum Feindbild, im "Dritten Reich" rettet dieser Text ihm die Haut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2008

Felix Johannes Krömer lobt Jörg Dörings und Erhard Schütz' Buch über den Bericht Gottfried Benns, in dem er die Erschießung der Krankenschwester Edith Cavell 1915 im besetzten Brüssel protokolliert, als hervorragende Arbeit. Die Autoren untersuchen das Zusammenspiel außenpolitischer, weltanschaulicher und literarischer Komponenten in diesem "eigentümlichen" Text Benns, so der Rezensent interessiert. Benn hatte diesen Exekutionsbericht 1928 für die "Nationalzeitung" geschrieben und es war ihm darum gegangen, wie Döring und Schütz zeigen wollen, die Hinrichtung, die internationale Proteste ausgelöst hatte, als juristisch und moralisch gerechtfertigt zu verteidigen. Schließlich aber verstehen die Autoren diesen Augenzeugenbericht auch als "Schlüsseltext", mit dem Benn seine Kritik an einer grundsätzlich auf Begnadigung pochenden Haltung Ausdruck verleihen, so Krömer, der diese Untersuchung der Entstehung und Wirkung eines Textes als "beispielhaft" preist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2007

Rezensentin Ina Hartwig entwickelt einige Begeisterung für diese "originelle philologische Mikrohistorie", deren Autoren sie als "gewitzte philologische Detektive" lobt. Dabei wartet dieses "liebevoll ausgestatteten Büchlein" mit einigem Grauen auf, handelt es doch vom Prozess und der Hinrichtung der belgischen Krankenschwester und Spionin Edith Cavell, deren Exekution 1915 vom jungen deutschen Stabsarzt, einem gewissen Dr. Gottfried Benn beaufsichtigt wurde, der anschließend auch ihren Tod bescheinigte. Dreizehn Jahre später habe er eine Reportage über die "politisch hochumstrittene Exekution" in einer Berliner Tageszeitung publiziert und die Hinrichtung verteidigt. So konkret wie hier sei dieser viel gedeutete Text samt des Kontexts seines Erscheinens noch nie untersucht worden, schreibt die Rezensentin. Besonders beeindruckt sie dabei die Rekonstruktion seiner Funktion als Schutzbrief für Benn bei Heinrich Himmler im Jahr 1937.

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