Eine Niere bekommt man in Indien für 300 Euro, ein afrikanisches Adoptivkind "kostet" mit allen notwendigen Papieren 20.000 Euro, eine Frau ist in Albanien unter Umständen schon für 800 Euro zu haben. Hieß es nicht immer: Der Mensch ist keine Ware? Tatsächlich werden Menschenleben nicht nur in fernen Ländern ökonomisch bewertet, ihre Monetarisierung hat auch Deutschland längst erreicht. "Was bin ich wert?": Mit dieser Frage hat sich Jörn Klare auf eine Recherchereise ins Reich der Menschenwert-Berechner gemacht. Sie führt ihn auf Ämter und ins Gefängnis, zu Politikern und Philosophen, zu Ärzten und Gesundheitsökonomen, aber auch zu seiner kleinen Tochter. Ganz am Ende steht eine konkrete Zahl, auf Euro und Cent genau. Und die Erkenntnis: Die Würde des Menschen ist antastbar - zumindest wenn es sich "lohnt".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.08.2010
Das Thema ist verzwickt. Und wenn der Autor am Ende seine Zahl hinschreibt und sagt, seht her, das also bin ich wert, weiß Eva Weber-Guskar schon, dass es darum gar nicht geht in diesem Buch. Als Aufhänger funktioniert die Frage nach dem persönlichen Wert der einzelnen konkreten Person. Schnell aber taucht bei Jörn Klare die Frage auf, ob das geht, Menschen monetär zu werten, und natürlich hat er es bei seinen Recherchen im Gesundheits-, im Verkehrswesen, bei Lebensversicherern, Banken, Philosophen und Politikern stets mit einem statistischen, nicht mit einem persönlichen Wert zu tun, eine "inhaltliche Schieflage" also. Das alles sieht die Rezensentin. Das flotte Erzähltempo, die vielen beleuchteten Facetten des Themas und die Tatsache, dass der Band ein Problembewusstsein befördert, machen ihn für die Rezensentin lesenswert.
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