Ob Juristen, Philosophen oder Theologen, ob Publizisten oder Politiker: Alle berufen sich auf die Würde des Menschen und ihre Unantastbarkeit. Doch niemand vermag genau zu sagen, was darunter zu verstehen ist. Manfred Baldus versucht in seinem Gang durch die jüngere deutsche Rechts- und Ideengeschichte zu erklären, wie es zu dieser paradoxen Lage kommen konnte. Er berichtet von christlichen Dominanzgewinnen und verzweifelten Positionsbehauptungen, ideologiekritischen Eindämmungsversuchen, soziologischen Gegenkonzepten und ausgefeilten Minimierungsstrategien, kurz: von mitunter erbittert geführten Meinungsschlachten. Und er fragt, ob es einen Ausweg aus der verfahrenen Lage gibt, sich also klären lässt, was es mit der Menschenwürde auf sich hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2016
Auch wenn Florian Meinel nichts lernt für den Umgang mit Rechtsstandards heute aus dem Buch des Staatsrechtlers Manfred Baldus, dessen Interpretationsgeschichte der Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes scheint ihm dennoch spannend. Wenn Baldus berichtet, wie die Würde zur Norm wurde, wenn er die moralischen Stürme der siebziger Jahre um das Retortenbaby und die Telefonüberwachung akribisch nachzeichnet und die Literatur dazu dokumentiert, erkennt der Rezensent die Lehrstückhaftigkeit dieser Entwicklungen und dass die Inflation widersprüchlicher Deutungen die Absicht der Verfassung in den Hintergrund drängte.
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