Das Jahr 1778 zeigt Merck auf dem Höhepunkt seines publizistischen Schaffens. Dem versierten Darmstädter Kriegsrat Johann Heinrich Merck steht der "Teutsche Merkur" jetzt in all seinen Sparten offen. In fünf Lieferungen erscheint, changierend zwischen Novelle und agrarischer Aufklärungsschrift, die "Geschichte des Herrn Oheims", flankiert von dem poetologischen Seitenstück "Ueber den Mangel des Epischen Geistes in unserem lieben Vaterland". Als Kunstkritiker schafft Merck Standards, durch sensible Bildbeschreibungen ebenso wie durch die kenntnisreiche Identifizierung von Fälschungen und die Kriterien zur Anlage einer Kupferstichsammlung. Mit 81 Rezensionen unterschiedlichster Werke übernimmt er den überwiegenden Anteil im Kritischen Fach . Mit Intellektualität und Taktik meistert er den Konflikt zwischen Lavater und Lichtenberg, in den der "Teutsche Merkur" mitsamt seinem Herausgeber Wieland zu geraten droht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.07.2014
Arno Widmann freut sich, in diesem vierten Band der Gesammelten Schriften von Johann Heinrich Merck über Bücher zu lesen, die keiner mehr kennt. Hilfreich findet er daher die 400 Seiten Anmerkungen zu den 200 Seiten Text von Merck. Dass der Mann ein Freund Goethes war, weiß Widmann sicher auch so. Aus den im Band enthaltenen Rezensionen und Aufsätzen lernt er jedoch allerhand mehr. Einer Debatte aus den 1870er Jahren folgend, zum Beispiel darüber, wie sehr so mancher die deutsche Romankunst gegenüber der französischen und der englischen unterschätzte. Oder er erfährt, wie Wieland den freien Autor Merck rhetorisch raffiniert motivierte.
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