Aus dem Englischen von Hans Jürgen Balmes. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte der Philosoph Baruch de Spinoza, genannt Bento, mit Schreiben. Doch er zeichnete auch und soll stets ein Skizzenbuch bei sich getragen haben. Jahrelang hoffte John Berger, dass eins dieser verschollenen Bücher auftauchen würde. Schließlich begann der Autor und Maler aus Großbritannien ein eigenes Skizzenbuch anzulegen - "Bentos Skizzenbuch": Im Dialog mit den Gedanken Spinozas schreibt Berger u.a. über das Erzählen und das Tanzen, über Platonow und Velásquez, und er stellt erstaunliche Bezüge her zwischen Alltag und Kunst, Malerei und Philosophie. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Buch über die Kunst und selbst ein Kunstwerk.
Ingo Arend erinnert sich gerne an die BBC-Serie "Ways of Seeing" aus den 70ern mit John Berger. Wenn der betagte Kritiker und Zeichner jetzt ein Buch mit privaten Erinnerungen, Alltagsbeobachtungen und Analysen vorlegt, ist Arend gespannt auf Bergers welthaltigen Blick und seine luziden Vergleiche. Die Ästhetik des Supermarkts erklärt ihm der Autor ebenso wie Tyrannengesichter und Spinozas "Ethik". Nebenher vollführt der Band für den Rezensenten fast eine Wende hin zum Sensualistischen, wenn Berger sein Credo vom Zeichnen als "eine Art Navigationsübung" und "Berührung mit etwas Ursprünglichem" notiert. Als ästhetische Selbstvergewisserung eines zeichnenden Essayisten findet Arend den Band absolut überzeugend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2013
Von Baruch Spinoza, zu Portugiesisch: Bento Spinoza, ist bekannt, dass er zeitlebens ein Skizzenbuch bei sich trug, in das er Zeichnungen und Notizen kritzelte, wie es sich nun mal für ein ordentliches Skizzenbuch gehört, weiß Jochen Schimmang. Gefunden wurden diese Bücher aber nie. Der Autor John Berger ist nun vor einiger Zeit auf ein hübsches, leeres Notizbuch gestoßen und hat beschlossen, daraus "Bentos Skizzenbuch" zu machen, berichtet der Rezensent. Berger malt sich allerdings nicht aus, womit der Philosoph wohl damals die Seiten gefüllt hat, sondern zeichnet und schreibt erst einmal selbst drauflos, erklärt Schimmang, erst nach etwa hundertfünfzig Seiten taucht Bento auf: als Adressat. Der Rezensent findet diese Zusammenkunft von Berger und Spinoza ziemlich gelungen, sogar irgendwie zwingend, gehören doch beide auf ihre Weise zur "Selbstdenker", und "Selbstdenker interessieren sich naturgemäß für alles". Auch die Übersetzung von Hans Jürgen Balmes lobt der Rezensent, nur dessen Rückgriff auf die deutsche Spinoza-Übertragung von Berthold Auerbach will ihm nicht ganz einleuchten, die sei für manche Leser sicher schwer verständlich.
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