Jede Epoche entdeckt und deutet ihre philosophischen Klassiker neu, und so sagt das derzeitige intensive Interesse am Werk des holländischen Rationalisten Baruch de Spinoza mindestens so viel über die Gegenwart wie über die Frühe Neuzeit aus. Denn in seinen Schriften zeichnet sich eine bedeutsame ideengeschichtliche Alternative zu den bekannteren Wegen in die Moderne ab, die noch nicht ausgeschöpft ist. Martin Saar zeichnet das faszinierende politische Denken Spinozas nach, gibt einen Einblick in seine wechselhafte Rezeptionsgeschichte und wirbt für die systematische Produktivität seiner radikalen ontologischen Theorie der Politik. In ihrem Zentrum stehen die Begriffe Macht, Imagination und Affektivität, und mit ihrer Hilfe lassen sich heutige Lebensformen und Regierungsweisen besser begreifen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.01.2014
So richtig überzeugt scheint Michael Schefczyk von Martin Saars Versuch einer Annäherung an Spinoza über dessen Machtbegriff nicht zu sein. Zwar heißt er den vom Autor angepeilten Mittelweg zwischen Klassiker-Lektüre und Klassiker-Ausschlachtung gut. Indem er Saar, der selbst mehr als skeptisch ist, ob Spinozas politische Theorie funktioniert, weiter folgt, stellt er jedoch fest, dass die Machtanalyse letztlich eine sozialwissenschaftliche Aufgabe ist, keine philosophische. Und daran, dass ideengeschichtliche Klassiker aktueller Forschung Impulse geben können, hat der Rezensent auch seine Zweifel. Er empfiehlt Spinoza zu lesen, einfach auf seine Größe und Schönheit hin.
Rezensent Raul Zelik weiß Martin Saars Buch über die "Immanenz der Macht" bei Spinoza sehr zu schätzen. Er konstatiert eine Renaissance des Philosophen, der in den letzten Jahren sowohl von marxistischer als auch von poststrukturalistischer Seite wieder entdeckt wurde. Bei Saar findet er eine sehr profunde Einordnung von Spinozas Schriften in die "politiktheoretischen Debatten der Gegenwart". Im Mittelpunkt des Werks sieht Zelik die Machttheorie des Aufklärers. Er attestiert dem Sozialwissenschaftler, die Grundlagen von Spinozas politischem Denken überzeugend herauszuarbeiten. Dabei wird für ihn die gesellschaftspolitische Aktualität des Philosophen deutlich, zumal es Saar gelingt, Bezugspunkte für poststrukturalistische, linksliberale, marxistische und feministische Debatten erhellend darzulegen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.10.2013
Rezensent Thomas Meyer stellt Spinoza zunächst als einen Denker der Macht vor, der philosophiegeschichtlich Wege in die Demokratie weist. Als wichtigste Spinozisten der Gegenwart nennt Meyer dann aber die aktuellen Größen der Superlinken wie Etienne Balibar, das Tandem Antonio Negri/Michael Hardt und den unvermeidlichen Alain Badiou. Saar scheint sich hier nicht ganz einzureihen, erstens weil er nicht den gleichen Anspruch zu haben scheint, sondern - laut Meyer - eine lesenswerte Einführung in Spinozas Schriften liefert, und zweitens, weil er allzu radikale oder marxistische Annäherungen an Spinoza auszubremsen scheint. Saar lese Spinoza mit Blick auf heutige Demokratiedefizite und resümiere ihn realistisch: Allein seligmachend ist demnach auch Spinoza nicht. Trotz einer gewissen "Unterschätzug der Ideengeschichte" stuft Meyer Saars Buch abschließend als "wichtig" ein.
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