Herausgegeben von Ray Carney. Aus den Amerikanischen von Marion Kagerer. Mit Abbildungen. Leidenschaftlich, couragiert und kompromisslos, so lebte und arbeitete John Cassavetes (1929-1989) über 30 Jahre an der Peripherie von Hollywood und wurde zum geistigen Vater des amerikanischen, aber auch des europäischen Independentfilms bis hin zu den jüngsten Filmen der Dogma-Bewegung. Aus neuen und früher schon veröffentlichten Interviews und Dokumenten des Künstlers erstellte Ray Carney eine kritisch kommentierte Autobiografie John Cassavetes'.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.12.2003
Fritz Göttler feiert mit der Autobiografie auch zugleich "das unerschöpfliche Leben des Filmemachers John Cassavetes". Ray Carney habe ein eigentlich unüberschaubares und unbeschreibliches Leben aus vielen Begegnungen mit dem Star und diesem nahestehenden Menschen zu einem Buch montiert, das für das leidenschaftliche Leben Cassavetes ein "Idealfall" ist, meint Göttler: eine Autobiografie, die er nicht selbst geschrieben hat. Herausgekommen ist die Darstellung einer Serie von Kämpfen, eine Sammlung von Siegen und Niederlagen in Selbstzeugnissen und zugleich "ein wunderbares Lob der Naivität, ohne die das Kino nicht überleben könne", berichtet Göttler begeistert. Cassavetes habe sich "nie geschont", war "nie wirklich zufrieden", habe "bis zur Erschöpfung" gearbeitet, und die Autobiografie sei dann besonders interessant, wenn Cassavetes' Schonungslosigkeit direkt zu Verschwendung und Luxus führt, lobt der Rezensent. Stress, Arbeitswut, Anarchie und Naivität verbinden sich nach Ansicht Göttlers zu einem schöpferischen Zugang zum Leben als solchem.
Ray Carney, der langjährige Freund und gute Vertraute des "unermüdlichen Independentfilmers" John Cassavetes, hat mit diesem "Hybriden zwischen Autobiografie, Biografie, Werkstattgespräch und kritischer Würdigung" ein Buch herausgegeben, das "wahrlich Großes leistet", schreibt ein sowohl von der Publikation wie von Cassavetes selbst faszinierter Andreas Busche. Insbesondere zum Verständnis von Philosophie, Arbeitsweise und Selbstwahrnehmung Cassavetes' ist das Buch großartig geeignet, erklärt Busche. Bei allem Respekt und aller Liebe gegenüber dem Filmemacher sei Carney ihm nie "auf den Leim" gegangen. Eine sakrosankte Figur sei Cassavetes für Carney nicht. Doch erkennt Busche in dieser so "profunden und erschöpfenden" Auseinandersetzung mit den grundlegenden Themen Cassavetes' ein "leidenschaftliches Manifest des unabhängigen Filmemachens".
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