Viegelchen ist halb Vogel, halb Kind - mit Federn, aber auch mit winzigen menschlichen Beinen. Das gibt es doch gar nicht. Stimmt nicht, Warre hat Viegelchen nämlich eben entdeckt und zeigt es gerade seiner Frau Tine. Keiner von beiden kann jetzt mehr sagen: Das gibt es nicht. Es ist ja da. Aber Warre und Tine bekommen sofort einen Schreck: Wenn sie irgendjemandem ihre Entdeckung zeigen, dann geht es Viegelchen schlecht, dann kommt es garantiert in einen Käfig. Tine näht einen kleinen blauen Mantel, um Viegelchens Flügel zu verbergen, und zieht ihm Schuhe an, damit es als Mädchen durchgehen kann. Doch die Schuhe drücken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.12.1999
Viegelchen ist halb Vogel, halb Mensch, wird von lieben Menschen gefunden und gepflegt, und fliegt doch wieder fort; immer wieder verabschiedet es sich, keiner kann es festhalten. Ein poetisches Buch, eine Fabel voller Fabeln, schreibt Sybil Gräfin Schönfeldt und ist nicht nur entzückt über den Text, sondern auch über die vieldeutig-simplen Illustrationen, die von der holländischen Autorin selbst stammen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
Engel, oder zumindest Wesen mit Flügeln haben Konjunktur in der Kinderliteratur, meint die Rezensentin Monika Osberghaus, aber dieses Buch sei zum Glück „vollkommen pathosfrei“. Eigentlich gehe es hier um Freiheit, denn dieses Wesen, das als einzigen Vokal das „i“ aussprechen kann (darum „Viegelchen“), fliegt dem Paar, das sich so über seine Ankunft freute, auch wieder davon. Besonders lobt Osberghaus Joke van Leeuwens Zeichnungen, die der schwergewichtigen Erzählung Leichtigkeit geben.
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