Aus dem Amerikanischen von Michael Zöllner. Alice Coombs ist die Leiterin eines wissenschaftlichen Projekts, in dem versucht wird, den Urknall zu reproduzieren. Das Experiment scheitert, zurück bleibt ein undefinierbares Vakuum, das Alice durch sein geheimnisvolles Verhalten in seinen Bann zieht. Die Physikerin verliebt sich in das ungewisse Etwas, und eine fatale Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf ...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2003
Ziemlich begeistert ist Angela Schader von diesem frühen Roman Jonathan Lethem, der mit Wonne das Terrain eines intellektuell stilisierten Universitätscampus unterwühlt. Mit seinem Plot dürfte er Pionierstellung beanspruchen: Es geht um einen Physiker, dem mittels Reproduktion des Urknalls die Schaffung eines neuen Universums gelingt. Dazu treten eine kräftige Liebes- und Eifersuchtsgeschichte und natürlich jede Menge Geisteswissenschaftler, die das Ereignis deuten wollen. Und wem das noch nicht reicht, den bereitet Schader darauf vor, dass Lethem als "komisches und rührendes Gegenstück" zum Universum aus der Retorte auch noch den Mikrokosmos zweier Blinder skizziere. Es geht mithin um die grundlegenden Fragen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit, die zwar nicht beantwortet, aber immerhin von vielen Seiten gestreift werden. Und diese ganze Geschichte erzähle Lethem, wie Schader schwärmt, mit Phantasie, Charme und Leichtigkeit.
Über den Tisch geklettert wird in dieser Mischung aus Campus- und Science-Fiction-Roman des New Yorker Schriftstellers Jonathan Lethem, im Original bereits 1997 erschienen, tatsächlich, berichtet Tobias Rapp. Nämlich über den Tisch des "Professors für Professorenforschung" Philipp Engstrand, dessen Lebensgefährtin, eine Teilchenphysikerin, versucht, ein hinter einem Tisch befindliches Leck, in dem manche Dinge verschwinden, andere nicht, zu erkunden. Das Buch ist, ähnlich wie die meisten anderen Werke Lethems, eine Mischung aus verschiedenen Genres, befindet der Rezensent. Ihm erscheint es außerdem als eine Vorarbeit zu dem ebenfalls gerade auf Deutsch erschienen Roman "Motherless Brooklyn", also als eine Art "Fingerübung" des Autors. Wäre der inzwischen durch "Motherless Brooklyn" nicht berühmt geworden, wäre der Roman in Deutschland wegen seiner Science-Fiction-Anklänge vermutlich nicht im "kleinen, aber feinen" Tropen Verlag erschienen, sondern allenfalls im "großen und weniger feinen" Heyne-Verlag, sinniert der Rezensent.
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