Aus dem Spanischen von Gisbert Haefs und Karl A. Horst. Mit einem Nachwort von Tim Parks. Borges kann nicht erzählen, ohne zu denken, und nicht denken, ohne zu erzählen. Deshalb sind seine Essays nicht weniger phantastisch, radikal und "fabelhaft" als seine Ficciones - ja, vielleicht steckt in ihnen sogar der eigentliche Kern seiner Autorschaft. Sonderbar, daß sie in keiner handlichen Ausgabe auf dem Markt zu finden sind. Die Themen sind so vielfältig, daß man sich an den Kopf greift. Von der "Kunst des Schmähens" handeln sie, von der "Dauer der Hölle", von Kabbalisten und Schildkröten, Denkmaschinen und Engeln. Bisher unbekannt war hierzulande, was Borges über die Deutschen, die Juden und den Zweiten Weltkrieg schrieb. Diese Texte widerlegen die schwarze Legende, derzufolge man es mit einem unpolitischen oder gar "rechten" Schriftsteller zu tun hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.06.2003
Mit großer Begeisterung hat Rezensent Hugo Dittberner den nun erschienenen Band mit Essays von Jorge Luis Borges gelesen. Die aus dem Corpus der etwa 1.200 Essays von Borges ausgewählten Texte, darunter 16 bisher nicht ins Deutsche übersetzte, lassen Dittberner zufolge die "geistige Physiognomie" des Schriftsteller "deutlicher" hervortreten und widerlegen zudem den "Schimpfruf als Reaktionär". Die 67 Essays zeigen Borges in seinen verschiedenen Lebensphasen, berichtet Dittberner, als "jungen, polemischen" Autor, als den hochgebildeten "Scharf- und Klardenker" der mittleren Jahre und nicht zuletzt als den "Weisen", der die Summe ziehe. Doch urteilssicher und anregend sei Borges zu jeder Zeit gewesen. "Mit ihm", schreibt Dittberner, "lernt man verstehen und lieben und eben auch genießen und gewichten". Ein Lob gibt es auch für das "informative" Nachwort von Tim Parks sowie die gelungene Übersetzung.
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