Nie zuvor hat Jorge Semprun bisher über seine Familie geschrieben. Doch nun erzählt er von der Vertreibung aus dem Paradies seiner Heimatl. 1936 floh die Familie Semprun vor dem spanischen Bürgerkrieg nach Frankreich. Als mittelloser Gymnasiast verbrachte der junge Jorge die drei Sommer bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs im Pariser Exil. Von einer Bäckersfrau wegen seines spanischen Akzents verlacht, lernt er innerhalb weniger Wochen, perfekt Französisch zu sprechen. Die Gedichte Baudelaires im Kopf und einen - gestohlenen - Baedeker unter dem Arm, erkundet Jorge die Geheimnisse der Stadt Paris, seiner Plätze und Boulevards und entdeckt die Welt der Weiblichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 11.11.1999
Gar nicht immer leicht zu lesen findet Klaus Harpprecht diesen neuen Band aus Jorge Sempruns großer, autobiographisch-historischen Erinnerungsarbeit. Und manchmal streife Semprun in seiner "gutartigen Eitelkeit" auch den Kitsch. Wenn er zum Beispiel festlege, dass er eingewickelt in die Trikolore der spanischen Republik an der Grenze zu Spanien begraben werden wolle "nimmt das Pathos Überhand". Trotzdem schildert Harpprecht liebevoll, wie Semprun die schwierige Jugend eines sechzehnjährigen Spanienflüchtlings im Paris der dreißiger Jahre schildert. Im Grunde seines Herzens sei Semprun bis heute ein Rotspanier geblieben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
"Wunderbares Buch", "unersättliches Verlangen nach Zeitgenossenschaft", "kongeniale Übersetzung". Harald Hartung ist des Lobes voll über diesen neuesten Erinnerungsversuch des großen Jorge Semprun. Hartung begeistert sich vor allem an den Techniken, mit denen Semprun seine Erinnerungen an seine Jugend als Sohn spanischer Franco-Flüchtlinge im Paris der dreißiger Jahre heraufbeschwört. Er liebt das scheinbar Zerstreute, Assoziative und Abschweifende von Sempruns Erzählweise. Semprun gebe sich als "Experimentator im Roman seines Lebens" - Hartung exemplifiziert das an einer Café-Szene, in der Semprun sich fragt, ob sich hinter einem einsamen Zeitungsleser, den er da immer bemerkt habe, der erst so viel später entdeckte und verehrte Walter Benjamin verborgen habe. Auch auf die Wichtigkeit Baudelaires für Semprun geht Hartung ein: Die Titelzeile des Buchs stammt aus dem Baudelaire-Gedicht "Adieu vive clarte".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999
Zwiespältig äußert sich Martin Ebel über den neuen Roman Jorge Sempruns: So findet er dieses Stück Erinnerungen zwar "leichter, lichtvoller" als die vergangener Bücher (schliesslich beschreibt Semprun auch eine Zeit, in der es für ihn noch kein KZ Buchenwald gegeben hat). Allerdings stört Ebel die immer wieder durchscheinende Eitelkeit des Autoren, der den Leser im Übermaß mit Prominenten behellige. Darüber hinaus vermisst Ebel die Möglichkeit des Selbst-Entdeckens. Die vielen Wiederholungen und Verweise Sempruns erscheinen ihm als zu aufdringlich. Ebel fragt sich sogar, ob Semprun die Leser womöglich für ein wenig begriffsstutzig hält. Einen "großen Entwurf" mag der Rezensent hier zugestehen. Stilistisch sei Semprun in diesem Buch jedoch "nicht ganz auf der Höhe".
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