Frank erlebt die Wut seiner Mutter als wilde Ausbrüche. Als Kind beginnt er zunehmend zu verstehen, dass er den Träumen seiner alleinerziehenden Mutter im Weg steht. Als Jugendlicher beginnt er zu ahnen, dass sie selbst verletzt worden sein muss: Im Krieg, in dem Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, in der Klosterschule, die sie aufnahm, weil sie so intelligent war. Eines Tages eskaliert ein Streit und Frank springt aus dem Fenster. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück. Aber die Wut seiner Mutter wird er nicht mehr los. Ein Roman darüber, wie schwer es ist, die Wunden der Kindheit zu heilen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.03.2021
Rezensent Harry Nutt erkennt in dem Buch von Harald Martenstein ein "beklemmendes Zeitpanorama" der 50er und 60er Jahre. Dass Martenstein vor allem an der Geschichte einer vom Leben enttäuschten Mutter interessiert ist, die ihren Sohn prügelt, scheint Nutt vor diesem Hintergrund zu bedauern. Martensteins gekonnte Dramaturgie und Psychologie entschädigen den Rezensenten dafür ein bisschen. LeserInnen von Martensteins Kolumne kommen jedenfalls auf ihre Kosten, meint er.
Rezensent Oliver Pfohlmann bedauert, dass Harald Martensteins Text letztlich der "privaten Erlösungslogik" eines "therapeutischen Erinnerungswerks" gehorcht. Dass die Ambivalenz zwischen autobiografischer Geschichte und Katharsis und ausgedachter Figur sich nicht auflösen lässt, ist für Pfohlmann das Hauptproblem des Textes um Kindesmisshandlung und die weitreichenden Folgen. Dabei ist die Distanz, die der Autor mit seinem fiktiven Protagonisten einzieht, zunächst durchaus produktiv als Weg aus der "Authentizitätsfalle" und der Ton zwischen Drastik und Mitgefühl stimmig, räumt Pfohlmann ein. Das Ende aber überzeugt den Rezensenten nicht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.01.2021
Beim Lesen von Harald Martensteins Roman erahnt Rezensent Jörg Magenau die Möglichkeit, durch die Literatur der Realität zu entfliehen. Der Verdacht, dass Harald Martensteins Ich-Erzähler autobiografische Züge trägt, die Geschichte um eine prügelnde Mutter und ihre eigene schwierige Kindheit nicht in allen Teilen erfunden ist, kommt dem Rezensenten angesichts der lebensechten Dialoge und Szenen, aber auch, da der Autor im Vorwort so vehement einen autobiografischen Hintergrund bestreitet. Ein raffinierter Kniff in dieser kathartischen Kindheitsgeschichte, findet Magenau.
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