In seinem dritten Essayband steigt der Lyriker José F. A. Oliver in die Flüsse seiner Sprachen. Er weiß, dass alles fließt, und dass dies immer auch Zuversicht bedeutet. Ausgespannt zwischen mindestens zwei Sprach- oder Sprechkulturen und den filigran skizzierten Visionen ins mögliche Zusammenleben einer sich immer wieder überraschend erneuernden Gesellschaft, fertigt er utopische Skizzen an, die in jedem Satz das Vergangene als Fährten in die Zukunft aufschimmern lassen. Ein Spurenfund, der das Heutige meint und eint und sich in dem, was war, vielstimmig kristallisiert. Worte bergen Orte. Orte lassen Worte mäandern. "W:orte", wie sie José F. A. Oliver bisweilen bezeichnet. Sie lotet er hoffnungsfroh aus, sodass im mehrkulturellen Klang und seinen Rhythmen Bilder hörbar, Träume und Räume geschöpft werden, Rettungsinseln im Fluss aus Migrationsgeschichten, nomadisch unterwegs zu sich selbst, aber darum nicht weniger denjenigen zugewandt, die sich dieser verdichteten Kurzprosa annehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2024
Gern liest Rezensentin Angelika Overath José F. A. Olivers Essay, der geprägt ist von den verschiedenen Sprachen, die das Leben des im Schwarzwald aufgewachsenen Sohns spanischer Eltern prägen: Andalusisch, Alemannisch, Deutsch und Spanisch. Besonders gut gefallen der Rezensentin die autobiografischen Passagen, die zum Beispiel an die Costa del Sol führen, zu den Großeltern, aber auch in den heimischen Schwarzwald, wo der junge Oliver viele Bücher mit sich trägt und einen geheimen Schreibtisch besitzt. Außerdem, so Overath, schreibt Oliver über Sprache, zerlegt einzelne Worte oder wechselt gleich ganz zur Form des Gedichts über. Das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit prägt den Text, so Overath, der überhaupt der lyrische Ton Olivers gut gefallen zu haben scheint. Etwa wenn er über seinen Vater sagt: "Die Sardinen schienen nach Hause zu schwimmen und er hinterher."
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