Esther Kinsky, Autorin und vielfach ausgezeichnete Übersetzerin, beschreibt ausgehend von eigenen Erfahrungen das Verhältnis zwischen Namen und Dingen und die Veränderungen, die sich im Prozess des Übersetzens in diesem Verhältnis vollziehen. Wie wandeln sich die zu den Dingen gehörenden Bilder im Kopf und in der Erinnerung durch den steten Umgang mit der Umbenennung? Wie prägt die Erinnerung andererseits die Wertigkeit der Benennungen und beeinflusst damit die Wortentscheidungen, die man beim Übersetzen unentwegt trifft? Was geschieht in dem Raum, der sich zwischen den beiden Namen in der Herkunfts- und der Zielsprache auftut, während der Übersetzer die Bild- und Klangwelt des zu übersetzenden Textes "fremdspricht"? Kinskys Essay "Fremdsprechen" zeichnet die feine Grenzlinie nach, die zwischen eigenen und fremden Worten, zwischen eigener und fremder Sprache, zwischen eigenem und fremdem Leben verläuft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013
Charmant und gedankenreich findet Burkhard Müller diesen Band von Esther Kinsky, in dem die Übersetzerin und Autorin Esther Kinsky die "Fallstricke des Übersetzens" um kreist. Beim Übersetzen, weiß Müller, sei es wie bei der Liebe: Je mehr man darüber rede, umso sicherer entziehe sie sich. Deswegen findet der Rezensent Kinskys Ansatz auch ganz richtig, sich anekdotenreich und mit einprägsamen Beispielen dem Thema zu nähern. Interessant auch, dass sie Attribute wie Brückenbauer und Kulturvermittler für Übersetzer ablehnt, die ihr viel zu sehr nach touristischem Fremdenführer klingen, und sich stattdessen eher im musikalischen Bereich agieren sieht, wo es um Klangräume und Resonanzboden geht.
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