Explodierende Aktienkurse und scheinbar nie dagewesenes Wirtschaftswachstum kennzeichneten die "Goldenen Neunziger". "Alles ist möglich" wurde zum Motto des Jahrzehnts - bis der Absturz in eine weltweite, tiefe und bis heute andauernde Rezession folgte. Was ist schief gelaufen? Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz zeigt, welchen Kräften sich der schwindelerregende Boom verdankte und inwiefern in ihm bereits die Saat der Zerstörung angelegt war.
Eine gute Entwicklung und eine notwendige dazu ist es, stellt der Rezensent Reinhard Blomert zu Beginn gleich fest, dass die Grenzen zwischen Wirtschafts- und Kulturinteressierten sich nun auch in Deutschland aufzulösen beginnen. Ein sichtbares Zeichen dafür sei das deutlich erstarkte Interesse der Leser an gut verständlicher Wirtschaftsliteratur. Die komme, das zeigen die Bestsellerlisten, derzeit wie gerufen - allerdings in erster Linie aus den USA. Eines dieser Beispiele, und ganz und gar kein schlechtes, sei Joseph Stiglitz' so minutiöse wie genaue Zergliederung der Gründe für das Desaster, in das sich der Boom der New Economy entwickelte. Nichts daran hätte bei klarem Bewusstsein überraschen dürfen und nichts an der Schilderung des Wirtschaftswissenschaftlers sei unplausibel, betont Blomert. Das Buch ist, urteilt er, wenngleich ganz auf die amerikanische Seite der Angelegenheit konzentriert, außerordentlich lesenswert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2004
In seiner "kritischen Analyse" der Wirtschaftspolitik der USA in den neunziger Jahren versucht Joseph Stiglitz zu zeigen, in welchen Bereichen sich die Wirtschaft in der Euphorie der neunziger Jahre fehlentwickelt hat und inwiefern es der Politik anzulasten ist, dass diese Entgleisungen nicht verhindert wurden, informiert der "am." zeichnende Rezensent. Beim Abbau des Staatsdefizits und bei der Deregulierung sei die Clinton-Administration über das Ziel hinausgeschossen, die Privatisierung des Telekom- und Elektrizitätssektors etwa sei verantwortlich für Überinvestitionen, referiert der Rezensent. Stiglitz kritisiere im weiteren die zu starke Orientierung an den Finanzmärkten. Der Rezensent hält fest, dass es nach Stiglitz darum gehe, aus den Fehlern des letzten Jahrzehnts zu lernen. Dabei solle ein auf globaler sozialer Gerechtigkeit basierender Wirtschafts- und Gesellschaftsentwurf, genannt "Neuer Demokratischer Idealismus", als Wegweiser dienen.
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